Per Petterson / Pferde stehlen

by Manuela Hofstätter on 30. September 2006

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Norwegen, unendliche Landschaften, ein Fluss, eine einsame Hütte, hierher hat sich der fünfundsechzigjährige Trond mit einer Hündin, Lyra zurückgezogen. Hier will der Mann seinem Lebensabend entgegenblicken. Doch die Gedanken schweifen immer wieder zurück in seine Jugendzeit und als plötzlich ein Nachbar auftaucht, auch etwas älter und mit Hund, nimmt das schicksalhafte Zurückerinnern endgültig seinen Lauf, denn die beiden Männer kennen sich und erkennen sich auch. Die Erinnerungen führen zurück in Tronds Jugendzeit, als er seinen Vater nach den Kriegsjahren endlich wieder hatte, es sind tiefe Empfindungen und Erlebnisse, wie sie nur zwischen Vater und Sohn entstehen können. Trond liebte seinen Vater, doch in dieser, seiner pubertären Zeit musste er erfahren, dass in ihm auch andere, Gefühle aufbrachen und Rivalität an den Platz der bisherigen Bewunderung rückte. In den Kriegsjahren verhalf Tronds Vater mehreren Leuten zur Flucht ins sichere Schweden, dabei halfen auch noch andere Leute und dabei passierte etwas, dass des Vaters Leben für immer veränderte. Allmählich erkannte Trond Zusammenhänge und plötzlich stand er vor der Tatsache, dass der Vater seine Familie für immer verliess, es war der letzte Sommer für Vater und Sohn. Aber Trond erinnert sich auch an eine wunderbare Freundschaft zu Jon, dem gleichaltrigen Jungen vom Nachbarhaus. Gemeinsam erlebten sie aufregende Abenteuer, pirschten durch die Felder und konnten im wahrsten Sinne des Wortes gemeinsam Pferde stehlen. Doch dann kam auch dort der Tag an welchem die Freundschaft jäh abbrach und der Grund dafür war so traurig, dass Trond ihn erst von seinem Vater erfuhr, nicht von John selbst. Als plötzlich eine Tochter von Trond auftaucht, weil sie nicht einmal wusste, wohin ihr Vater denn gezogen ist, steht man wieder im Jetzt, oder auch nicht, haben der Vater von damals und dieser Vater im jetzt nicht doch eben sehr viele Gemeinsamkeiten… ?

Fazit
Pettersons “Pferde stehlen”, gehört zum Schönsten, was ich je gelesen habe. Nur das pure Leben mit all seinen Fragen und Verstrickungen kann uns diese grossen Themen wie Liebe und Tod, Krieg, Familie, Freundschaft und Einsamkeit so gut näher bringen. Und Petterson versteht es genau dieses Leben, in seinen prägendsten Szenen einzufangen. Wunderbar geschrieben, in einer grossartigen Natur und Umgebung. Dass ist Leben !

Meine Wertung: 9/10

Per Petterson / Pferde stehlen
Verlag: Hanser, Seiten: 247

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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