Peter Stamm / Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

by Manuela Hofstätter on 4. November 2018

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Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2018

Nach einer schockierenden Begegnung mit seinem jüngeren Ich muss sich der Schriftsteller Christoph, der bislang nur einen einzigen Roman geschrieben hat, in seine Jahre als jüngerer Mann zurückwerfen lassen. Er denkt sehnsüchtig an seine Magdalena, seine Liebe von damals und weiss, er kann nicht anders, er muss die junge Frau, Lena in Stockholm treffen. Er ist sich sicher, sie ist es, genau darum nimmt die Frau seine Einladung zu einem Spaziergang an, ist gewillt, sich von ihm eine verrückte Geschichte erzählen zu lassen. Er ist so ruhig wie aufgeregt, sie staunt, so vieles ist stimmig und doch ist sie nicht dieselbe, sie ist nicht seine Magdalena, zeigt ihm fröhlich die Abweichungen auf. Kann er die Geschichte verändern, kann er Lena wie auch Chris, sein junges Ich, dazu bewegen, ihm Glauben zu schenken? Lässt sich eine Geschichte, eine Liebe manipulieren? Er packt alle Gelegenheiten beim Schopf, beginnt sein Buch neu zu schreiben, spricht sogar mit Chris. Chris kommt nicht umhin, gewisse Parallelen nicht von sich weisen zu können, stürzt sich aber mit erleichternder Freude auf seinen Beweis, nicht Christoph zu sein, als er diesem im Netz zeigt, dass es dessen angeblichen Roman gar nicht gibt, auch nicht als vergriffenes Buch. Chris kann also seinen eigenen Roman schreiben und die Begegnung mit dem komischen, älteren Mann aus seinem Leben streichen. So einfach aber ist es nicht, das Leben von Chris und Lena sowie auch von Christoph und Magdalena nimmt seinen Lauf, mit dieser Veränderung natürlich, oder etwa nicht? Ist hier nur alles ein Traum, eine Erinnerung oder ist es tatsächlich so passiert?

Fazit: Das Altern und diesem zu entrinnen, vielleicht im Erinnern?
Der Roman von Peter Stamm ist auch eine surreale Reise seines Protagonisten, der als älterer Mann auf sein Ich in jungen Jahren trifft. Er ist erschrocken, dann belebt nun könnte er Einfluss nehmen auf den Lauf der Dinge. Er begegnet seiner grossen Liebe von damals, welch kühnes Unterfangen, ihr diese verrückte Geschichte zu erzählen, die Geschichte, dass er ihr Geliebter gewesen ist, sie seine Magdalena. Die junge Lena hört ihm zu, staunt und fühlt sich ihm verbunden, wenngleich sie auch klarstellt, ihr eigenes Leben zu führen. Die Figuren folgen mal der vergangenen Geschichte, doch dann sperren sie sich dagegen, es sind andere Zeiten, ist es doch nicht dieselbe Geschichte? Der Schriftsteller hat die Chance gepackt, er schreibt seinen einzigen Roman, welchen er damals veröffentlicht hat neu und verliert ihn sinnigerweise. Stamm hat mich zuweilen berührt und verführt mit seinen Pfaden, die er in diesem Roman einschlägt und doch bleibe ich etwas verwirrt zurück nach der Lektüre von “Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt”. Vielleicht ist das genau so gewollt und richtig so …

Meine Wertung: 6/10

Peter Stamm / Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt
Verlag: S. Fischer, Seiten: 156

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Margrit Hegglin November 5, 2018 um 14:49 Uhr

Ich habe das Buch auch etwas verwirrend gefunden, aber sprachlich finde ich es sehr gut.

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