Philipp Probst / Der Storykiller

by Manuela Hofstätter on 7. November 2011

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Alfred Jasper, ein bekannter Politiker und Nationalrat, ist im Berner Oberland am Faulhorn abgestürzt und muss tot geborgen werden. Die Polizeimeldung «Zeugenaufruf: Wanderer abgestürzt», verrät den Namen des Toten natürlich nicht, doch die Zeitung «Aktuell» bringt den Namen Jasper rasch ans Tageslicht. Bei «Aktuell» freut sich der junge Reporter Alex Gaster, dass er sich in die Story reinhängen darf, er träumt davon das erste Mal seinen Namen auf die Seite Eins bringen zu können und ist voll motiviert. Doch Alex’ Chef Peter Renner, gibt auch der jungen Kollegin Sandra die Chance zu recherchieren. Alex und Sandra mögen sich eigentlich ganz gut, sie sind Studienkollegen und in der Redaktion munkeln so manche, dass aus ihnen gewiss ein Liebespaar werden wird. Doch Alex ist liiert, und zwar schon seit langer Zeit, doch die Beziehung zu Mara kriselt arg. Wenn es um die Arbeit geht, kennt Alex aber doch den Neid, er will die Story haben, unbedingt. Doch auf die erste Seite schafft es leider der Politik Chef Haberer mit einer brisanten Geschichte über die Schweizer Armee. Alex ist am Faulhorn mit einem Fotografen unterwegs auf Spurensuche und macht einen grausigen Fund, und auch diese Story bekommt nicht die erste Seite. Dann lernt er die Tochter des Hüttenwarts kennen und verliebt sich, dass diese Frau in die ganze Geschichte verwickelt ist, erfährt Alex spät, zu spät? Inzwischen haben sich Alex und Renner derart in diese Story verbissen, dass Alex sich gar über alle Berufsethik hinwegsetzt und sogar einen Diebstahl begeht, um an Daten zu gelangen. Die Daten sind heiss, so heiss, dass sich plötzlich sogar internationale dubiose Figuren, wie auch die Schweizer Regierung darum reissen. Doch die Verlegerin von «Aktuell», Emma Lemmovski, stellt sich quer. Sie will, dass nichts mehr zum Fall Jasper geschrieben wird. Was Renner und Alex nicht wissen, ist, dass die Lemmovskis bedroht werden und Emma für ihren Mann und ihre Familie diese Entscheidung glaubt treffen zu müssen. Doch Alex schreibt die Story, die ganz grosse Wahrheit und er und sein Chef sind überzeugt, dass sie in Druck gehen wird. Es brodelt, in der Politik, bei der Zeitung und auch in Alex’ Privatleben …

Fazit: Die Wahnsinnsstory aus der Schweiz!
Spannung pur in diesem Roman, Krimi, ja beinahe Thriller von Philipp Probst! Die Figur des aufstrebenden Journalisten Alex gefällt mir aber auch die völlig verstrickte Story fesselt von Anfang an, die tiefen Einblicke in die Arbeitswelt und Vorgehensweise der Medien und Journalisten ist berauschend und erschreckt zugleich. Ich frage mich, ob Probst, der ja ganz genau weiss, wovon er schreibt, über das mediale Umfeld übertreibt, oder noch untertreibt, was ich beinahe befürchte. Nach Stieg Larssons mit «Mikael Blomkvist» kommt bei mir nun die Schweizer Variante: Alex Gaster!

Meine Wertung: 7/10

Philipp Probst / Der Storykiller
Verlag: Appenzeller, Seiten: 446

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{ 5 comments… read them below or add one }

1 Philipp Probst November 8, 2011 um 10:05 Uhr

Erst mal vielen Dank für die Besprechung. Freut mich sehr!
Ob ich, was die journalistischen Methoden betrifft, übertreibe: Nein. Selbstverständlich ist der Alltag eines Journalisten nicht immer so aufregend wie im Buch beschrieben. Und auch nicht alle Journis sind so ehrgeizig und verbissen. Aber dass man Grenzen überschreitet kommt schon vor. Und darin liegt ja auch ein gewisser Reiz. Manchmal geht man auch eindeutig zu weit. Aber das merkt man meistens erst hinterher … Zudem sind viele Primeurs nicht das Resultat einer Recherche, sondern gezielte Indsikretionen von Vertretern aus Politik und Wirtschaft!

2 Manuela Hofstätter November 14, 2011 um 21:29 Uhr

danke für die ausführliche antwort! ich fand die einblicke in diese welt des journalismus wirklich extrem spannend!

3 Philipp Probst Dezember 9, 2011 um 15:43 Uhr

Was derzeit im Bundeshaus abgeht, läuft eigentlich alles genau nach dem Muster des Storykillers ab. Plötzlich wird über SVP-Bundesratskandidat Zuppiger eine alte Skandalgeschichte ausgegraben. Wie? Woher? Natürlich: gut recherchiert! Aber irgendjemand muss da irgendjemandem was gesteckt haben! Und durchaus ein Ziel damit verfolgen!
Auch immer wieder gut: Woher wissen Journalisten eigentlich immer so genau, was die einzelnen Bundesrätinnen und Bundesräte an den Bundesratssitzungen sagen? Und warum wissen die Reporter, wer wie im Bundesrat abstimmt? Antwort: Weil es ihnen entweder jemand direkt aus dem Bundesrat oder der Bundeskanzlei sagt, oder es per Mittelsmann/frau an die Journalisten herangetragen wird. Natürlich mit Hintergrundgedanken!
Tja, und da soll noch jemand sagen, unsere Demokratie sei kompliziert …

4 Philipp Probst Januar 24, 2012 um 12:36 Uhr

Hatte heute eine “Lesung” in einem Gymnasium. Aus der Lesung wurde aber ein Vortrag über den modernen Journalismus und über Social Media. Die jungen Menschen waren voll konzentriert: Ich glaube, die hatten noch nie richtigen und lebhaften Medienunterricht. Ich bin auch erstaunt, wie die meisten Menschen nach wie vor nicht wissen, wie Journalismus und Medien generell funktionieren.

5 Manuela Hofstätter Januar 25, 2012 um 22:25 Uhr

ja, das ist wohl etwas, was die meisten menschen einfach erleben ohne gross zu hinterfragen. schönes gefühl, wenn zuhörer wie gebannt an deinen lippen hängen, oder? und erst noch in so “heiligen hallen”! ;-) grüessli, manu

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