Pierre Chazal / So etwas wie Familie

by Manuela Hofstätter on 12. November 2015

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Pierre ist eher ein in sich gekehrter Mensch, er hat seine Mutter zu früh verloren und seinen Vater, den besucht er jahrelang nicht, die Beziehung war und ist nicht gut. Pierre überlebt viel eher, als dass er ein gesichertes Leben führt, er träumt seiner grossen Liebe Helene nach, doch diese sieht in ihm den Kumpel und liebt andere Männer und leider auch Drogen. Als Helene stirbt, hinterlässt sie ihren kleinen Jungen Marcus und ihren Wunsch, dass Pierre sich diesem annehmen möge. Pierre ist überrumpelt, aber es ist ihm eigentlich klar, diesen kleinen Kerl, den kann er nicht alleine lassen, der braucht einen Vater. Auch wenn der kleine Junge ihn nicht Vater nennt, ist er genau das für ihn, vielleicht viel mehr und liebevoller, als manch leiblicher Vater dies zustande bringt. Bald schon erobert der aufgeweckte achtjährige Marcus auch die Herzen anderer im Umfeld von Pierre, wenn er etwa mit dabei ist, wenn Pierre sein Gemüse auf dem Markt anbietet. Rasch findet sich jemand ein, der Marcus den ganzen Markt zeigt, ihm Leckereien kauft und ihn umsorgt. Auch Pierre wird ein anderer in der Rolle, die ihm das Leben zugespielt hat, leichter öffnet er sein Herz einer Frau nach Helene, denn diese nimmt ihn wie auch Marcus liebevoll an. Fast schaut es so aus, als ob sich da eine Familie gefunden hätte, gemeinsam kuscheln sie auf dem Sofa und sehen fern. Aber das Leben ist unberechenbar und so kommt es zum Schicksalsschlag, der abrupt die neu gewonnene Idylle zerreisst. Pierre sitzt im Gefängnis, er sinniert über sein Leben nach, bangt, was am Ende der Untersuchungshaft sein wird, eine lange Haftstrafe, oder die Freiheit. Er bangt um sich, nein, er bangt um den Jungen, für welchen er Verantwortung übernommen hat und um die Frau, welche er da auch hineingezogen hat und von der er weiss, sie hat ihr Leben auch nicht wirklich im Griff.

Pierre Chazal / So etwas wie Familie

Fazit: Von Vätern, von echten und vom Zufall bestimmten… und vom Schicksal!
Dieser Roman hat manchmal völlig poetische Seiten, Stimmungen und Gedankengänge, welche uns sehr zu berühren wissen, aber er ist geschrieben wie das Leben; unberechenbar. Die Risse im Leben der Menschen in der Agglomeration von Paris, der ganz gewöhnlichen Menschen, die zeigen Facetten auf, die wir in unserem Wohlfühlleben, welches wir doch die meisten leben dürfen, nicht auch nur annähernd verstehen können. Wir begegnen dem Leben, so wie es für so viele Leute ist und der Hoffnung und einem starken Gefühl, dem Verantwortungsgefühl.

Meine Wertung: 7/10

Pierre Chazal / So etwas wie Familie
Verlag: Deuticke, Seiten: 240

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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