Priska M. Thomas Braun / Der gestrandete Wassermann

by Manuela Hofstätter on 13. Dezember 2018

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Die Familie Penrose lebt in einem grossen Haus namens Clifftop in einem kleinen Ort nahe von Cornwall, Elizabeth und ihr Mann Corran lieben das Leben am Meer und ihre Familie, die eine Werft führt. Ein Schicksalsschlag hat ihnen den erstgeborenen Sohn Oliver aus dem Leben gerissen. Die anderen Kinder Finlay und Claire sowie die recht später geborene Jane leiden nun manchmal unter ihrer überbehüteten Kindheit. Finlay ist darum nach seinem Jura-Studium nach London gezogen, wo er mit seinem Lebenspartner eine erfolgreiche Kanzlei betreibt. Claire ist bis nach Frankreich durchgebrannt, mit einem viel älteren Mann und Künstler, welcher ihr Lehrer war. Jane ist nicht nur die Jüngste, sie ist auch am meisten mit ihrem Zuhause verwurzelt, sie arbeitet früh schon mit in der Werft und liebt das Meer und ihre Heimat. Als sie ihre ältere Schwester einmal in den Ferien besucht, verliebt sie sich dort in David. Es ist eine innige, leidenschaftliche Liebe, David zieht nach Cornwall und wird sofort in die Familie integriert, er arbeitet in der Werft und kommt gut mit Corran zurecht. Die Penrose Frauen haben ihn fest im Griff, sogar den Namen hat er seiner Frau zuliebe angenommen. Lange sehnen sie sich nach Kindern, endlich dann kommt die erste Tochter zur Welt, später ein zweites Mädchen, womit eigentlich nicht mehr zu rechnen war. Jane hat die zweite Geburt viel abverlangt und nun lässt sie sich auch etwas gehen und tadelt sie schon deswegen. Doch das Leben geht weiter im Hause Penrose und hält einen weiteren Schicksalsschlag bereit, Corran stirbt. Elisabeth altert schlagartig und David muss die Werft nun leiten, er kann dies aber eher schlecht als recht und leidet zudem immer mehr unter den Zwängen des Penrose-Clans. David ist im Herzen ein Abenteurer, er reiste zuvor viel und was keiner weiss ist, dass er als junger Mann eine grosse Liebe verlassen hat, Abuya in Kenia. Eines Tages verunglückt David beim Segeln in einem Sturm, sein Boot zerschellt und seine Leiche bleibt verschwunden. Jane muss nun ihr Leben, die Werft, einfach alles selber in die Hand nehmen und leidet lange sehr unter ihrer Trauer. Doch ihre Geschwister wie auch alte Freude helfen ihr immer, das Leben geht weiter, die Mädchen wachsen zu jungen Frauen heran.
Abuya in Kenia hat den Verlust auch früh kennengelernt, ihre Mutter war ein Dienstmädchen in Nairobi und ihr Vater ein schottischer Kapitän. Als Abuyas Mutter früh stirbt, kommt Abuya ins Nonneninternat, ihren Vater sieht sie nur sehr selten. Abuya aber lernt Sprachen und ist sehr kunstbegabt, sie malt wundervolle Bilder. Die Freude ist gross, als Abuyas Vater ein Haus baut, um dort in Afrika mit seiner Tochter zu leben. Abuya ist etwas Grauenvolles widerfahren, sie muss damit weiterleben können, freut sich aber nun so sehr auf das Leben mit ihrem Vater. Dieses Leben ist den beiden aber nicht gegönnt, der Vater stirbt an einem Hitzschlag, Abuya ist mit zwei Angestellten und dem Haus nun plötzlich ganz auf sich gestellt. Zum Glück hat Abuyas Vater vorgesorgt und zudem seinen Freund instruiert, Abuya zur Seite zu stehen. Der Hotelier aus Mumbasa wird zum engen Vertrauten und Freund fürs Leben, aber auch zu Abuyas Geschäftspartner, denn ihre Bilder werden in seinem Hotel gut verkauft an die Touristen. Diese Bilder hat Dave damals gesehen auf seiner Reise durch Afrika und er beschloss, die Künstlerin zu besuchen, so stand er plötzlich vor Abuya, zwei junge Menschen waren sie und in Leidenschaft und Liebe einander sofort zugetan. Abuya litt, als Dave weiterzog, nun liebte sie einen Weissen, genauso wie dies ihre Mutter getan hatte. Doch das Leben ging weiter und Abuya lebte zufrieden, einzig an Dave musste sie immer mal wieder denken, sie war sich fast sicher, sie würde ihn wieder sehen und sie sollte recht behalten. Doch als Dave und Abuya sich wieder sehen, erzählt dieser ihr eine schier unglaubliche Geschichte.
Rebecca und Sarah haben Jane viel abverlangt auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben, sie musste lernen, nicht so sehr wie ihre Mutter Elisabeth mit zu viel Vorsicht das Leben der Töchter zu überschatten. Rebecca ist eine leidenschaftliche Seglerin und Taucherin geworden und hat grosse Pläne, um die Werft in eine neue Zukunft zu steuern, sie ist stark und überzeugt nicht nur ihre Mutter. Sarah hat ihren Weg auch gefunden, nur kann sie ihre Geheimnisse noch nicht richtig offenbaren. Wenn der Familienbetrieb im Sommer auf Hochbetrieb läuft, kommen alle Penroses zusammen und helfen sich gegenseitig, so war es immer und so soll es immer sein. Diese Saison konnte Claire nicht helfen kommen, dafür aber Sarah mit einer Freundin namens Moira, die jungen Frauen verdrehten den Männern ganz schön die Köpfe. Nach der strengen Saison gehen Sarah und Moira gemeinsam in die Ferien zur Erholung, sie haben sich für Afrika entschieden und ahnen nicht, wie folgenschwer diese Tage für sie sein werden …

Fazit: Eine moderne Jane Austen, ein Debütroman, der das Zeug zum Klassiker hat!
Afrika, Frankreich, England, schöne Schauplätze, starke Frauen, viele Geheimnisse und eine schlichte und doch schöne Sprache machen diesen Debütroman zum genialen Schmöker. Schmöker meine ich hier im besten Sinne, ich konnte den Roman nicht mehr aus den Händen legen, die Protagonisten haben mein Herz erobert und ich musste beim Lesen Tee trinken und mitleiden und hoffen und bangen und auch ab und zu schmunzeln. Diese Autorin kann erzählen, ich wähnte mich einerseits fast in Jane Austens Welten, doch hier sind es Thomas Brauns Welten, von welchen man entzückt wird und ihr Roman reicht von den letzten Jahrzehnten bis über den Jahrtausendwechsel hinaus und umspannt mehrere Generationen und deren Leben.

Meine Wertung: 9/10

Priska M. Thomas Braun / Der gestrandete Wassermann
Verlag: Münsterverlag, Seiten: 440

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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