Regine Frei / Gute Nachbarn

by Manuela Hofstätter on 9. Juli 2018

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Der Frühling hat zu warm und trocken durchgestartet und nun kippt der April alles um und es regnet tagelang, dazu schmilzt der Schnee und so ist es wieder einmal so weit, die Aare droht über die Ufer zu treten. In Bern guckt man interessiert oder bang von der Nydeggbrücke hinunter ins schöne Mattequartier, wird es erneut überschwemmt? Das Unheil allerdings breitet sich nicht nur mit dem drohenden Hochwasser in Bern aus. Nein, in einem kleinen Quartier kommt ein Junge nach Hause, er heisst Florian, er ist pitschnass und seinen Eltern will er so nicht begegnen, er geht zu seinem Wahlgrosi, dem Lori, welches ihm auf sein Klingeln auch sogleich öffnet, den Buben hereinbittet und ihn auffordert zu erzählen, was passiert sei. Die Michligers, Barbara und Daniel, Florians Eltern, mögen ihr Quartier, er ist Chauffeur bei Bernmobil, sie Coiffeuse. Mit Barbara kam das Glück wieder zu den beiden männlichen Michligers, sie mussten nämlich Frau und Mutter früh verlieren, doch dann zog Barbara nach Bern, Daniel traf sie, half ihr und sofort wurden sie eine glückliche, neue Familie. Florian nannte Barbara rasch Mami und auch Lori, welche zuerst etwas kritisch gegenüber der neuen Idylle eingestellt war und befürchtete, sie könnte nun ausgedient haben, die Frauen wurden sofort zu Freundinnen und auch die Nachbarschaft eroberte Barbara im Nu. Genau diese Nachbarschaft in Form zweier Frauen, die sich sorgen und darüber sprechen, dass Barbara nicht mehr am Singen ist zu Hause, sie ständig unterwegs ist und plötzlich unglücklich wirkt, sowie auch zwei Männer, die Barbara mit einem Mann auf der Strasse in heftigem Streit entbrannt gesehen haben, genau diese Faktoren beginnen nun einzuwirken auf das weitere Geschehen. Im Botanischen Garten wird eine männliche Leiche gefunden, ein Mord offenbar, der Tote namens Marini muss ein komischer Zeitgenosse gewesen sein, er scheint keine Freunde in seinem Leben gehabt zu haben, nur eine Schwester, welche den Bruder weder gut kennt noch sonderlich zu mögen scheint. Marinis Nachbarin, eine alte Dame, welche ihn auch gar nicht mochte, hat kurz vor seinem Verschwinden eine Katze entgegengenommen, welche ein Mann, der völlig ausser sich war, bei Marini abliefern wollte. Die Dame hat eine Tierhaarallergie und ist dankbar, die Geschichte der Polizei zu erzählen und das Tier loszuwerden. Marini wurde ständig mit schönen Frauen gesehen, er wurde bei der Bank, bei welcher er gearbeitet hat, entlassen, dort will keiner ihn näher gekannt haben. Während die Polizei ermittelt, wird Barbara zur Rede gestellt, vertraut sich der Freundin an, sorgt sich um Florian, der immer stiller und komischer wird und Barbara weiss, sie muss schnell mit Daniel reden, sie liebt ihre beiden “Jungs” und will diese Liebe nie wieder gefährden, aber wird Daniel das auch so sehen? Wer hat Marini umgebracht, wo ist Marinis Putzfrau, wem gehört die Katze und wo soll sie nun hin? Fragen über Fragen und auch nebst dem Fall gibt es in der Nachbarschaft wie auch in der Familie Michliger einige Fragen zu klären. Was das Eine mit dem Anderen zu tun hat, wird nicht verraten …

Fazit: Gute Nachbarschaft kann helfen oder tödlich sein …
Die Autorin, die selbst aus dem Wallis nach Bern gekommen ist, ist Buchhändlerin, eine Buchhändlerin mit einer eigenen Berner-Krimireihe und nun habe ich ihre Welt, ihr Bern, ihre Ermittler und Nachbarn auch endlich entdeckt. Nebst dem authentischen Bern finden wir auch richtige Berner Charakteren im Krimi, das stimmige Quartier und die Geschichte haben mich herrlich nach Bern entführt und auch in die zuweilen verwirrenden Zustände, die entstehen können, wenn Nachbarn es gut meinen, es aber doch nicht ganz hinbekommen mit ihren guten Absichten. Für die Polizei zumindest ist es zuweilen tödlich für ihre Ermittlungen, den Nachbarschaftsfilz zu durchschauen, für den Leser eine vergnügliche Lektüre.

Meine Wertung: 7/10

Regine Frei / Gute Nachbarn
Verlag: Regine Frei, Seiten: 280

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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