Res Perrot / Tells Geschoss

by Manuela Hofstätter on 23. Mai 2019

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Wachmeister Paul Grossenbacher ist nicht gerade bekannt für seinen Arbeitseifer, viel lieber trinkt er Bier in seiner Lieblingsbar, der Helvti. Als Grossenbacher ein paar Urlaubstage in den Jurahöhen verbringt, hat er danach eine aufdringliche Bekanntschaft am Hals, welche in ihm die grosse Hoffnung wieder sieht, denn Marie Louise aus Zumikon vermisst seit fast zwei Jahren ihre 35-jährige Tochter, sie wollte damals eine Wanderung auf dem Jakobsweg machen und ist verschwunden. Grossenbacher denkt nicht daran, sein Versprechen einzulösen, um nach dieser jungen Frau zu suchen, denn zur Zeit muss er sich mit einigen abgelegenen Scheunen herumschlagen, die abgebrannt wurden, doch er hat eigentlich auch keine grosse Lust, den Brandstifter zu suchen. Dann wird es aber ungemütlich, als im Seebad des Katzensees, mitten unter den Badegästen, eine Leiche gefunden wird, nun ist es aus mit der Ruhe für Grossenbacher. Grossenbacher ermittelt, bei der Wasserleiche handelt es sich um eine Frau, die schon sehr lange im Wasser gelegen hat und offensichtlich hingerichtet worden ist. Eine GP 11 deutet auf einen alten K31 Armeekarabiner als Tatwaffe hin. Bei einer Tatortbegehung wird Grossenbacher klar, er schwebt in grosser Gefahr und als er bei Recherchen im Bundesarchiv Bern Akten mit der Aufschrift “Vertraulich” sichtet, holt ihn eine krasse Geschichte aus der Schweizer Vergangenheit ein. Staatsanwältin Manuela Oberli zitiert Grossenbacher zu sich, das Thema ist heikel, es führt zurück zu den letzten Hinrichtungen der Schweiz, bei welchen sogenannte Landesverräter erschossen worden sind. Denn Grossenbacher hat im Gröbli-Grüebli, welches damals als Richtplatz gedient hat, viel Munition gefunden, darunter auch die passende zum Fall der Wasserleiche. Hans Gröbli ist im Jahre 1943 dort hingerichtet worden und darum trägt die Grube seinen Namen, sie dient bis heute für gar nicht so heimliche Schiessübungen, dies hat Grossenbacher beim Biertrinken herausgefunden. Bald weiss man viel mehr über dieses Thema und auch, dass eine Selbsthilfegruppe für Nachkommen von Landesverrätern existiert. Bald zeichnen sich Schicksale wie etwa jenes von Luzia Kramer ab, die wegen der Hinrichtung ihres Vaters durch die Pro Juventute fremdplatziert worden ist, weil ihre Mutter nicht für sie da sein konnte. Auch zeichnet sich langsam ab, dass die Brandstiftungen mit dem Mordfall zusammenhängen könnten und ein Gemeindearbeiter gerät als Verdächtiger ins Visier der Fahndung. Ist der Forstwart Theo Pfändler ein Brandstifter, schliesslich ist er auch bei der Feuerwehr mit von der Partie und könnte er auch ein Mörder sein? Wer war die Frau, die so brutal ermordet worden ist, kann Grossenbacher trotz seines hohen Bierkonsums oder gerade dank diesem mit seinem Team den Fall lösen?

Fazit: Letzte Hinrichtungen in der Schweiz, ein Krimi mit historischem Hintergrund.
“Tells Geschoss” taucht ab in die Schweizer Militärgeschichte, offenbart uns Beängstigendes aus der Vergangenheit und schürt aber auch an den immerwährenden Gefühlen der Menschheit wie Liebe, Eifersucht und Rache. Wer sich gerne mit Schweizer Geschichte beschäftigt und sich auch noch für die Armee und Waffen interessiert, dem gefällt der Krimi sicherlich noch besser als mir.

Meine Wertung: 6/10

Res Perrot / Tells Geschoss
Verlag: Gmeiner, Seiten: 306

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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