Richard Dübell / Krone des Schicksals

by Manuela Hofstätter on 13. März 2017

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Aus den Tränen der Jungfrau Maria soll er entstanden sein, der bedeutendste blutrote Edelstein, welchen jeder grosse Herrscher sein Eigen nennen will, denn man sagt, wer den Orphanus trägt, hat Macht und Glück auf seiner Seite. Es ist die Zeit des Königs Philipp und seiner Gemahlin Eirene, die Zeit der Staufer. Philipp will den Stein haben und seine treuen Freunde und Verbündeten stehen ihm zur Seite. Es sind dies starke, junge Mannen, gute, mutige Kämpfer. Otto von Wittelsbach, Heinrich von Kalden und Walther – Walther von der Vogelweide – sind diese engsten Vertrauten des Königs. Aber der berühmte Dichter des Mittelalters verbirgt ein schreckliches Geheimnis, er liebt nicht nur seinen Freund Philipp, nein, auch dessen Frau, die Königin. Aller Minnesang, der ihm manches Weib gefügig machte, hat er einzig und alleine für die Königin geschrieben, aber niemals darf sie von seiner Liebe erfahren. Das Unglück schlägt zu, König Philipp wird getötet, seine Frau stirbt bald darauf bei der Geburt des Kindes, welches ihr Glück hätte sein sollen. Walthers Leben ist von da an gebrochen, er lebt zurückgezogen, ist in Trauer verfallen, ein anderer geworden. Er nimmt Jahre später einen Jüngling bei sich auf, es ist das Kind des Königspaares, versteckt aufgewachsen zu seinem Schutz. Nun ist Kaiser Friedrich an der Macht und er besinnt sich an die alten Helden, er fordert Walther auf, ihm den Stein zu besorgen, ist sich fast sicher, dass dieser ihn sogar selber schon in seinem Besitz hat. So muss Walther gealtert losziehen, er hat eine Schuld gegenüber dem Kaiser zu begleichen, will ihm seine Treue beweisen, den Jüngling lässt er zurück auf seinem Hof, seine alten Gefährten hingegen möchte er gerne an seiner Seite haben. Gealtert sind die Freunde, doch die Verbundenheit besteht, damals begegneten sie den stärksten Kriegern überhaupt, Frauen! Die Hüterinnen des Steins, voller Ehrfurcht und voller Angst denkt Walther an die Kämpferinnen zurück. Wo ist der Stein? Wo sind die Hüterinnen, stehen ihm seine Freunde erneut bei? Walther erahnt nicht, welches Schicksal er in jungen Jahren herausgefordert hat, welche Tragödie die Geschichte ihm liefert und in welche Gefahr er läuft.

Fazit: Walther von der Vogelweide singt nicht mehr!
Wir erfahren, warum der bekannte Dichter leidet, tauchen ein in diese bewegte Zeit im Reich der Staufer, der machthungrigen Herrscher und der grossen Themen des Mittelalters. Richard Dübell schreibt so grandios, wie dies in der Sparte historischer Roman für mich kein anderer beherrscht. Wir lesen einen Krimi sondergleichen, eine Tragödie, eine grossartige Liebesgeschichte, ein authentisches Stück Zeitgeschichte. Freundschaft heldenhafter Männer geht uns ebenso sehr unter die Haut, wie die Macht der Frauen und die Stärke der Hüterinnen. Aber nebst all diesem, habe ich noch selten solch einen Humor angetroffen im historischen Roman, ich habe schallend gelacht, immer und immer wieder. Wahrlich ein Kunstwerk, dieser Roman!

Meine Wertung: 9/10

Richard Dübell / Krone des Schicksals
Verlag: Lübbe, Seiten: 558

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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