Richard Harvell / Der Kastrat

by Manuela Hofstätter on 8. Juli 2011

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Abgelegen in einem einsamen Schweizer Bergdorf erblickt er das Licht der Welt, seine Mutter ist taubstumm und lebt im Glockenturm der Kirche. Als sein Vater erkennt, dass er hören und sprechen kann, muss er ihn loswerden, für immer, er wirft ihn in den Fluss, der eigene Vater wollte seinen Sohn töten. Zwei reisende Mönche fischen ihn aus den Fluten, retten sein Leben und von nun an hat er einen Namen: Moses. Und Moses hat zum ersten Mal im Leben Freunde und er wird sie sein Leben lang behalten. Die Mönche Nicolai und ­Remus nehmen Moses mit in ihre Abtei in St. Gallen, doch der böse Abt will den Jungen nicht behalten, schon gar nicht als Novizen. Moses wird versteckt und natürlich fliegt das auf. Denn Moses verliess das Zimmer, er musste, er hörte Gesang und er musste singen, dieses Singen ist es schliesslich, das ihn rettet und dazu führt, dass er doch bleiben kann. Moses ist die beste Stimme im Chor, die anderen Jungs quälen ihn, wann immer sie können. Seine Stimme führt ihn ins herrschaftlichste Haus der Stadt, wo er für die todkranke Dame des Hauses singt und sich unsterblich in deren Tochter Amalia verliebt. Doch Moses musste das Schrecklichste erfahren, der Chorleiter und ein italienischer Arzt überwältigten ihn und kastrierten ihn, um seine Stimme zu bewahren. Gepeinigt muss Moses merken, dass er seine Geliebte nie ganz und gar wie ein Mann wird lieben können und als dies seine Freunde erfahren bringt Nicolai den Chorleiter fast um. Nicolai und Remus müssen fliehen, Moses Talent nutzt der Abtei, ihn will der Abt haben, doch bald flieht er, denn seine Liebste ist weg, nach einem tragischen Zwischenfall wird sie nach Wien gebracht und dort mit dem Sohn der reichsten Familie verheiratet, sie glaubt, Moses sei tot. Zerlumpt und als Dieb gelangt Moses bis nach Wien, wie soll es nun bloss weitergehen? Was dann passiert ist einzigartig und auch seine Freunde trifft er wieder, doch das Schicksal ist noch lange nicht fertig mit Moses und seinen Lieben, aber was auch alles geschehen ist, er wird unausweichlich der grösste Musico, aber er wird auch noch etwas anderes…

Fazit: Die schönste Stimme der Welt, aber der Preis dafür war hoch.
Welch ein Schicksal am Anfang des 18. Jahrhunderts wir hier miterleben, es reisst uns mit in die Welt des Gesangs, Moses, dessen Geschichte wir so schnell nicht mehr vergessen können. Eine Geschichte von Leid und Liebe, von Talent, Glück und der Macht wahrer Freundschaft. Dieser Roman ist ein Erstling und eine wahre Entdeckung, man darf sich freuen und hoffen, dass Richard Harvell weiter schreibt, gekonnt verbindet er historische Tatsachen mit einer spannenden Geschichte. Dieses Buch ist einfach betörend!

Meine Wertung: 8/10

Richard Harvell / Der Kastrat
Verlag: Dumont, Seiten: 479

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Steffi Juli 10, 2011 um 15:23

Welch dramatische Geschichte, der arme Moses. Das Buch scheint mir vor Spannung nur so zu strotzen und auch die Liebe, die Moses verspürt, klingt echt. Doch trotz alledem kann ich mich glaube ich eher weniger zum Lesen des Buches durchringen. Vlg Steffi

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