Robert Seethaler / Der Trafikant

by Manuela Hofstätter on 1. Oktober 2012

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Franz Huchels Spätsommer 1937 war bis jetzt eine ganz gemütliche Sache, doch ein Unglück bereitet diesem Zustand ein abruptes Ende. So schickt denn die Mutter ihren Sohn weg aus dem gemütlichen Dorf im Salzkammergut, auf nach Wien, dort soll der Franz beim Onkel, einem Trafikanten in die Lehre gehen. Franz staunt über die grösse der Stadt und das pulsierende Leben allüberall. Die Trafik ist ein ruhiger Ort, der Tabak und die Zeitungen sind für Franz bald auch ein bisschen Heimat, der Onkel, der spricht nicht viel, aber er ist ein guter Mensch. Jede Woche sendet Franz wie versprochen seiner Mutter eine Postkarte mit ein paar Worten, immer schreibt ihm die Mutter zurück, sie vermissen einander, aber die Mutter ist auch stolz, dass ihr Franz seinen Weg geht. Da plötzlich steht Sigmund Freud zwischen den Zeitungen und Franz ist von dem alten Mann irgendwie hingerissen, erst recht dann aber, als er hört, dass dieser eben der berühmte Professor ist. Franz sucht den Kontakt zu Freud und so sehr dieser sich zuerst dagegen sträubt, so sehr gefällt ihm dann der ungestüme, ehrliche junge Mann doch auch. Als Franz sich verleibt und dabei glaubt den Verstand zu verlieren, sucht er Hilfe beim Professor. Franz geniesst die Gespräche mit Freud, doch eine Unruhe hat die Stadt erfasst und als das Schaufenster der Trafik mit Blut verschmiert wird und dort Judenfreund geschrieben steht, beginnt Franz zu verstehen, dass die Ereignisse, welche ins Rollen geraten sind, ein unheilvolles Ende nehmen werden. So verliert Franz nicht nur seine erste grosse Liebe Anezka, nein, der Strudel der Geschichte reisst alles mit sich. Franz ist ein starker junger Mann geworden, er weiss was er will, wer er ist und was zu tun ist, er weiss sogar, welches Ende das alles dann nimmt.

Fazit: Von der Geschichte geformt, wird der junge Franz zum wahren Mann und Helden!
Welch eine Entdeckung, dieser Robert Seethaler erzählt in einer so exakten und reichen Sprache, ich glaubte in Wien in der Trafik zu stehen und Franz dort sitzen zu sehen. Diese Geschichte geht unter die Haut, am Ende wird Gänsehaut daraus, später folgt Wehmut.

Meine Wertung: 9/10

Robert Seethaler / Der Trafikant
Verlag: Kein & Aber, Seiten: 250

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 atalante April 22, 2013 um 16:28

Ein schöner Roman, der mich besonders durch seine ausgeklügelte Konstruktion überzeugt hat. Wer ins Wien der Dreißiger Jahre abtauchen möchte, neugierig auf Freuds eigene Obsessionen ist und das Getümmel auf dem Prater erleben will, sollte dieses Buch lesen. Geschichtsstunde inbegriffen.

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