Roger Strub / Verfalldatum

by Manuela Hofstätter on 30. April 2015

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Tobias Landauer hat es geschafft, er ist ein Autor, der bei Lesungen immer Menschenmengen aufbieten kann. Seine Lesungen sind gut, seine Bücher, Krimis, sind nichts für zartbesaitete Menschen, auf brutalste Art und Weise kommen darin Kinder um. Nebst seiner riesigen Fangemeinschaft zeigt sich nun vermehrt auch Widerstand, eine Gruppierung verteilt Flugblätter vor seinen Auftritten, aber diese Situation ist noch erträglich. Doch dann bekommt Tobias Nachrichten auf sein Handy und diese sprechen eine immer deutlichere Sprache, es wird ihm gar nach den Leben getrachtet. Tobias hat keinen grossen Freundeskreis, in der Tat lebt er sehr einsam und ist in gewissen Dingen vermutlich sehr kompliziert. Tobias hat ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern gehabt, seine Mutter ist gestorben, aber sein Vater, weit über 90 Jahre alt, lebt in einer Altersresidenz und ist noch völlig vital. Tobias hat als junger Mann etwas über seinen Vater herausgefunden, das verstört ihn bis heute und er ist nahe dran, diesen alten Herrn zu hassen. Tobias erhält mittlerweile auch Drohmails und es geht offenbar jemand in seine Wohnung, die Lage spitzt sich zu und so stattet er seinem Vater einen Besuch ab, um dessen Computer zu kontrollieren. Tobias weiss ganz genau, wie gut sein eigener Vater im Vertuschen ist, aber er findet keinen Hinweis auf “Rumpelstilzchen” – so nennt sich dieser Anonyme, der Tobias Leben langsam nachhaltig stört. Zum grossen Glück ist Tobias seinem kleinen Verlag treu geblieben, die Verlegerin wie auch die Verlagsangestellte stehen voll hinter ihm, selbst dann, als sie selber bedroht werden, besprechen sie miteinander die Lage und beschliessen, der Bedrohung gemeinsam zu trotzen und nicht die Polizei einzuschalten. Tobias ist mitten in seiner grossen Lesetour, das ist wichtig und er hofft, alle Termine heil zu überstehen. Er ist aber auch verwirrt, diese Drohungen und Taten gegen ihn zerren an seinen Nerven, sollte er vielleicht wirklich damit aufhören, Krimis zu schreiben? Er hat noch ein zweites Standbein, er schreibt Musiktexte, aber ob er nur davon leben könnte? Eigentlich glaubt Tobias zurzeit sogar daran, dass er lieben könnte, doch werden seine Gefühle erwidert und ist das Wesen, welches er zu lieben glaubt, nun eher Mann oder Frau? Während Tobias Landauer etwas verwirrt zu einem Lesungstermin geht, schlägt “Rumpelstilzchen” richtig zu.

Roger Strub / Verfalldatum

Fazit: Krimiautor wird zum Opfer
Dieser Krimi spielt herrlich rund um die Buchbranche, zudem noch in der Schweiz und die pointierten Äusserungen des Autors zeugen von einer guten Beobachtungsgabe und treffendem Humor. “Verfalldatum” spielt ohnehin mit diversen Themen, die nicht allzu häufig zwischen die Buchdeckel geraten und man ist zuerst selbst etwas irritiert doch dann sehr fasziniert von dieser Welt. Tobias Landauer ist ein eigenartiger Typ, man mag ihn und eben auch irgendwie nicht. Ich hoffe, ich darf Weiteres über ihn lesen und erfahren und Roger Strub entwickelt ihn weiter. Auf jeden Fall kam mitnichten Langeweile auf beim Lesen dieses Krimis mit Thrillerqualitäten.

Meine Wertung: 7/10

Roger Strub / Verfalldatum
Verlag: Gmeiner, Seiten: 279

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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