Roland Buti / Das Flirren am Horizont

by Manuela Hofstätter on 2. Januar 2015

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Im Sommer 1976, die grosse Dürre hält Europa fest in ihren Händen, versucht auf einem abgelegenen Hof in der Schweiz die Familie Sutter zu leben. Gus ist dreizehn Jahre alt, er zeichnet gerne und beobachtet die eigentlich so ereignislose Welt rund um den Hof. Gus hat eine Schwester, aber sie ist nicht nur älter, sie ist irgendwie auch nicht auf demselben Planeten zu Hause, schon als kleines Mädchen ging sie der Arbeit und dem Dreck auf dem Hof kontinuierlich aus dem Weg. Gus verbringt viel mehr Zeit mit Rudy und den Tieren. Rudys genaues Alter ist nicht bekannt, er ist ein geistig zurückgebliebener junger Mann, aber seine intensive Art, sich mit den einfachen Dingen zu befassen, rührt eigentümlich an und Gus mag Rudy. Rudy hat Gus eine Taube gebracht, sie wurde offensichtlich angegriffen, kann nun nicht mehr fliegen, aber ist jetzt die neue, treue Gefährtin auf seiner Schulter. Der Hofhund, so wie alle anderen Tiere auf Hof und Feld, leiden gewaltig unter der Hitze, der Hund seinerseits bricht manchmal plötzlich einfach zusammen und bleibt liegen. Mittlerweile ist dann die weitere Prozedur diejenige, dass in einem solchen Fall Rudy mit einer grossen Giesskanne anrennt und sanft von hoch oben herab den Hund mit Wasser begiesst und so ins Leben zurückholt. Allerdings ist Rudy so besorgt um den Hund, dass er fortan auch ein wichtiges Hundeschläfchen nicht mehr von einem Hitzeschlag unterscheiden kann und den armen Hund ständig giesst, sobald er sich hinlegt. Schwieriger ist es aber, die Hühner unter der grossen Kuppel vor der Hitze zu retten, die Ventilatoren kriegen das nicht mehr hin und so müssen Gus, Rudy und der Vater in ihren Schutzanzügen immer mehr tote Tiere aus der Halle holen. Diesen Sommer wird die Familie Sutter niemals wieder vergessen und es ist auch derjenige Sommer, der alles veränderte, was doch so beständig schien. Spät, viel zu spät, soll die Armee Hilfe leisten, und als sie auf den verbrannten Feldern der Familie Sutter mit den Tankwagen voller Wasser anrückt, ist weder Vater Sutter ansprechbar noch die Mutter vor Ort anzutreffen, es ist für alles zu spät. Aber doch geht auch dieser Sommer zu Ende und die Sutters leben weiter, einige von ihnen zumindest.

Roland Buti / Das Flirren am Horizont

Fazit: Der Sommer, der alles veränderte.
Ich habe lange zugewartet mit diesem Buch, die Verleihung des Schweizer Literaturpreises schreckt mich ja eher jeweils ab, ein Buch zu lesen und nun muss ich still eingestehen, im Fall von Buti wäre es ein schwerer Verlust für mich, hätte ich ihn nicht gelesen. Dieser Roman ist ganz und gar das eindrücklichste Buch, welches ich seit Langem gelesen habe. Dieses Flirren in diesem Hitzesommer, die Protagonisten auf dem einsamen Hof, das ganze Leben und Lieben in Roland Butis Worten beschrieben, das bleibt garantiert unvergessen. Roland Buti schafft es Sätze, Stimmungen, innige Momente und Begebenheiten derart einzigartig hinzuschreiben, das ist richtig grandios. Ich habe mitten im Winter richtig heiss bekommen in meinem Leseherzen drin!

Meine Wertung: 9/10

Roland Buti / Das Flirren am Horizont
Verlag: Nagel & Kimche, Seiten: 186

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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