Rolf Dobelli / Massimo Marini

by Manuela Hofstätter on 17. Dezember 2010

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Ein Anwalt erzählt uns aus der psychiatrischen Klinik die sagenhafte Lebensgeschichte des Massimo Marini. Der Massimo, dessen Geschichte den Erkrankten dermassen fesselt und welche sein eigenes Leben jetzt kurzzeitig in die Depression geführt hat. Massimo, als Säugling einer italienischer Gastarbeiterin die Schweiz geschmuggelt, wächst heran und will so gar nicht in die arbeitsamen Fussstapfen seines aufstrebenden Vaters passen, nein im Gegenteil, der Sohn rebelliert, philosophiert und er hasst seinen Vater eine Weile sogar. Doch nach dem Tod das Vaters wird aus Massimo der ebenso harte Geschäftsmann, er hat den Zuschlag erhalten seine Firma ist mit dabei beim Durchstich des Gotthardtunnels, des längsten Tunnels der Welt. Eigentlich sollte das Jahr 2007 der Höhepunkt seines Schaffens darstellen, doch es ist zugleich auch der Gipfel des Dramas seines Lebens. Massimo hatte das Glück, bei der Firmenübernahme auf Monika zu treffen, sie heiraten und haben einen Sohn. Massimo führt seinen Sohn Raffael und Monika ins Baugeschäft ein. Jahre später dann der tragische Bruch, Massimo verliebt sich bedingungslos in die Cellistin Laura, er lässt die tüchtige Monika einfach und undankbar fallen, für seine schöne neue Frau. Aber das Geheimnis in Lauras Biografie holt Massimo brutal ein und es gerät eine dramatische Lawine ins Rollen, welche niemand mehr aufzuhalten vermag. Das Leben des Massimo Marini ist eine Tragödie. Und was für eine.

Fazit
Dobellis Roman ist ein eindringliches Meisterwerk, völlig unvorhersehbare Wendungen reissen uns mit in den Strudel eines schicksalhaften Lebensbildes mehrerer markanter Personen. Ein Stück Schweizer Geschichtsschreibung bekommen wir auch gleich mitgeliefert, der Durchstich des Gotthardtunnels einerseits, die Einwanderer und Gastarbeiterproblematik der Vergangenheit andererseits. Ganz besonders berührt mich, dass die Schweizer Bevölkerung damals im Jahr 1970 die Ueberfremdungsinitiative abgelehnt hat (die «Tschinggen» sind heute vergessene Vergangenheit) und heute im Jahr 2010 ganz aktuell die Ausschaffungsinitiative angenommen worden ist, diese Tatsache erfüllt mich doch recht mit Skepsis. Offenbar entwickeln wir uns rückwärts… In meinen Augen bedenklich.

Meine Wertung: 9/10

Rolf Dobelli / Massimo Marini
Verlag: Diogenes, Seiten: 376

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Mirli November 2, 2012 um 22:07

Die Cellistin heißt Julia!
Tolles Buch anyway ;)

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