Rolf von Siebenthal / Schachzug

by Manuela Hofstätter on 10. November 2013

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Max Bollag leidet unter seiner krieselnden Ehe, ein Missverständnis hat seiner Frau vermutlich in den Kopf gesetzt, er hätte eine Affäre mit einer Bundesrätin gehabt. Bollag war nur zur falschen Zeit am falschen Ort, oder eigentlich am richtigen Ort, denn welcher Mann würde eine Frau weinend stehen lassen, Bundesrätin hin oder her. Bollag ist ein richtig guter Journalist und dazu kein schlechter Mensch, er hat die Frau in den Arm genommen und getröstet. Jetzt darf Bollag die eigene Frau trösten, sie hat soeben ihren Bruder verloren, denn der aufstrebende Marcel Laval wurde erschossen. Der Täter muss ein ganz besonderer Profischütze sein, nicht viele Schützen vermögen ihr Ziel aus 600 Metern Entfernung zu treffen. Bollag ist gerne bereit, seiner Frau zu helfen, denn seit er nicht mehr in Bern, sondern in Liestal arbeitet, langweilt er sich leider sehr und er wird eh gepiesackt von seinem dummen Vorgesetzten. Jetzt hat er die Story vom Mord an Laval exklusiv als Erster bringen können, Marcel Laval ist immerhin ein grosser Mann mit gewichtiger Stellung bei der Bahn, was den Bahngüterverkehr angeht, kommt keiner an ihm vorbei. Kommissar Neuenschwander trifft auch bald bei seinen Ermittlungen auf Bollag und muss sich eingestehen, dass er den Journalisten gut leiden mag, er ist sich sogar ganz sicher, dass aus diesem ein guter Polizist geworden wäre. Der Tod Lavals bereitet auch einem anderen Zulieferbetrieb von Rail Cargo Sorgen, Thommen Rail hofft nämlich auf den Zuschlag für den Grossauftrag der Bahn, Thommen hat ein neuartiges Bremssystem entwickelt und steht ohne diesen Auftrag vor dem Aus. Offenbar hat es bei den Tests Probleme gegeben mit den Bremsen, doch diese Information wird geheim gehalten. Diese Tatsache macht einer langjährigen Mitarbeiterin grosse Sorgen, als der Journalist Bollag plötzlich im Betrieb auftaucht, möchte die Frau sich ihm gerne anvertrauen, schafft dies aber noch nicht. Bollag gerät bei seinen Recherchen immer tiefer in einen verstrickten Sumpf von Korruption, geheimen Absprachen und jeder Menge Leuten, welche Laval nicht gutgesinnt waren. Offenbar hat sein Schwager auch eine Studie über die Gefahren von Elektrosmog in Auftrag gegeben, diese dann aber abgebrochen, als sich klar herausstellte, dass Lokführer besonders hohen Werten ausgesetzt sind und dadurch krank werden können und mehr an Krebs erkranken als andere Leute. Auf Umwegen trifft Bollag auch auf eine fanatische Kämpferin gegen den Elektrosmog, im kleinen Dorf Häfelfingen hat man keinen Handyempfang, die Bewohner setzten sich erfolgreich zur Wehr gegen eine Antenne. Aber wer von den vielen Verdächtigen ist tatsächlich fähig zu morden?

schachzug

Fazit: Schachmatt für Langeweile. Zug für Zug ein hochspannender Krimi!
Dieser Krimi vermag es uns mit Hochspannung in Schach zu halten bis zum Ende hin. Um Spannung aller Arten geht es ja auch, Elektrosmog im Lokführerstand, Hochspannung auf den Beziehungsebenen, den ehelichen, freundschaftlichen wie beruflichen und den abgekarteten. Die Figuren in diesem Kriminalroman wachsen auch ans Herz, Bollag und Neuenschwander, denen möchte ich gerne wieder begegnen, die haben Potenzial, auch als Team. Die Welt rund um den Schienenverkehr ist richtig spannend und wie mir ein befreundeter Lokführer, der das Buch ebenfalls gelesen hat, versicherte, auch äusserst authentisch beschrieben. Das Thema Elektrosmog, das polarisiert und gibt Gesprächsstoff. Ein herausragender Schweizer Krimi, eine Entdeckung, so macht das Lesen Freude!

Meine Wertung: 8/10

Rolf von Siebenthal / Schachzug
Verlag: Gmeiner, Seiten: 342

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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