Rosa Ribas & Sabine Hofmann / Die grosse Kälte

by Manuela Hofstätter on 3. Juni 2016

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1956, es ist ein ausserordentlich kalter Winter in Spanien, “el gran frio” nennt man ihn und nun soll Ana Marti ins entlegene Bergdorf in Aragonien, nach Las Torres reisen, um über die Geschichte der “kleinen Heiligen” des Dorfes zu berichten. Das Mädchen namens Isabel soll Stigmata haben an Händen und Füssen und dadurch dem Dorf etliche neue Besucher bescheren, welche sich Heilung von dem Mädchen versprechen. Ana ist skeptisch und beschliesst, die Wahrheit herauszufinden. Ihre Zimmerwirtin wächst ihr ans Herz, wenngleich es eine stille, verschlossene Frau ist. Dafür ist der Pfarrer ein Ausbund von charismatischem Wesen, er ist bestrebt, dem Dorf den wahren Glauben einzutrichtern, das heilige Mädchen ist für ihn das Beste, dass passieren konnte, euphorisch freut er sich über einen guten Artikel. Der Pfarrer ist zuerst irritiert, so eine Frau hat er nun wirklich nicht erwartet, welche da angereist ist, um zu schreiben, er hat mit dem Chef der Zeitung gerechnet. Aber der Pfarrer gibt sich keine Blösse und umgarnt Ana dann sogleich und dieser ist dieses forsche Verhalten zuwider, könnte gar dieser Gottesmann hinter dem vermeintlichen Wunder stecken, diesem auf die Sprünge geholfen haben? Doch der Pfarrer will Ana sofort zu Isabel bringen und wird von einem anderen wichtigen Mann in Dorf davon abgehalten, dieser will keine Presse zum Mädchen vorlassen. Ana recherchiert vor Ort also zuerst ohne Begegnung mit der kleinen Heiligen, dafür vernimmt sie von den Kindern des Dorfes ein eigenartiges Lied und scheint die beste Freundin von Isabel getroffen zu haben. Ana hat Mühe mit der Kälte und der Kargheit des Dorfes, zum Glück ist sie nur für ein Wochenende angereist, sie sehnt sich nach Barcelona zurück. Doch dann wird die Strasse so eingeschneit, dass Ana länger in Las Torres bleiben muss und inzwischen durfte sie sogar Isabel besuchen. Ja, das Mädchen hat echte Wunden an Händen und Füssen, aber es wirkt verzweifelt, Ana verdächtigt den Pfarrer und sogar die Mutter des Mädchens, diesem dieses Leid in religiösem Eifer angetan zu haben. Religiös sind die Menschen im Bergdorf voll und ganz, davon zeugen die Besucher vor Isabels Tür und die Gaben, die man in ihr Haus bringt. Es gibt auch einen etwas andersartigen Jungen im Dorf, genau dieser eröffnet Ana einen neuen Blickwinkel und eine neue Hoffnung. Was Ana herausgefunden hat, lässt sie voller Wut den Plan fassen, Isabel aus dem Dorf zu entführen, um deren Leben zu retten. Kann eine Mutter ihrem Kind so etwas antun, warum lässt diese Mutter ihre Tochter verhungern? Auf wen kann Ana im Dorf setzen, wer verfügt noch über genügend gesunden Menschenverstand und wird ihr helfen? Doch dann wird die Leiche eines Mädchens im Wald gefunden, ausgerechnet um Isabels Freundin handelt es sich, was ist nur los in diesem Dorf?

Rosa Ribas & Sabine Hofmann / Die grosse Kälte

Fazit: Spanien, religiöser Wahn und eine mutige Journalistin!
Endlich ist er da, der zweite Roman dieses Autorinnenduos, wir tauchen ab in Spaniens Vergangenheit und freuen uns, der starken, mutigen und unverwechselbaren Journalistin Ana Marti wieder zu begegnen. Ein grossartiger Kriminalroman! Vermisst habe ich den Kommissar aus dem Das Flüstern der Stadtn und auch die intensivere Zusammenarbeit von Ana mit ihrer Cousine. Aber auch ohne diese Dinge ist dies Lesevergnügen pur! Hoffentlich muss man nicht lange auf ein drittes Buch warten…

Meine Wertung: 8/10

Rosa Ribas & Sabine Hofmann / Die grosse Kälte
Verlag: Rowohlt, Seiten: 336

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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