Rudolf Bussmann / Das andere Du

by Manuela Hofstätter on 15. November 2016

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Alexis hat einen Hänger, er fühlt eine Trostlosigkeit in sich und beklagt dies im Netz und stellt die Frage, was dagegen zu unternehmen sei. Nebst Ratschlägen, welche er längst kennt, erhält er eine Antwort von Melanie, von der er sich verstanden fühlt, sie möchte die Trostlosigkeit mit ihm teilen. Sie schreiben sich weiter im Netz, sie lebt offenbar unmittelbar, frech, nutzt Männer in Affären, soweit sie ihr etwas nützen. Er wird unterschwellig eifersüchtig, deutet dies in Worten an, er hat sich in ihre Facebook-Fotos verliebt, heftig, wie er ihr immer wieder schreibend versichert. Er gibt an, an einer Dissertation zu arbeiten, nicht voranzukommen. Doch dann wird Melanie wütend, sie überführt Alexis der Lüge, des Plagiats, das Interessante seiner Texte hat er bei grossen Literaten abgekupfert, offensichtlich stimmt nicht einmal sein Aufenthaltsort. Er gibt sich vorerst verhalten, gibt zu, ein wenig abgeschrieben zu haben, gibt auch eine gewisse Lüge zu, er ist lediglich ein Übersetzer, doch seine Gefühle ihr gegenüber bleiben schliesslich dieselben. Auch er überführt sie der Unwahrheit, seine Recherchen haben ergeben, dass das Schiff, auf welchen sie angeblich ist, gar nicht dorthin reist, von wo sie ihm so inniglich schreibt. Was soll das? Anschuldigungen wechseln sich ab im E-Mailverkehr der beiden, die Funkstille hält auch Einzug und gar die Drohung, die Mailadresse des Anderen zu löschen, die Leinen zu kappen. Tun sie es, die beiden? Mitnichten. Zwei Menschen, sie sind einsam, sie suchen ein Gegenüber, Achtung, Liebe, Verständnis, schwierig in einer Welt des anonymen Austausches, in Zeiten, wie wir sie heute haben. Was passiert mit den beiden Schreibenden, Suchenden, wer sind sie in Wirklichkeit, was ist wirklich? Erfahren wir das?

Rudolf Bussmann / Das andere Du

Fazit: E-Mailverkehr(t)
Rudolf Bussmann zeigt uns mit seinem Roman die tatsächliche Trostlosigkeit unserer Zeit auf, ein Kennenlernen im Netz ist immer ein Kennenlernen von Halbwahrheiten oder gar Lügen. Wir sind Suchende und wir bieten an, was wir am liebsten sein möchten, selbst dann, wenn wir meilenweit davon entfernt sind. Nichts ist so, wie es die beiden Protagonisten voneinander lesen, was sich abzeichnet, ist verwirrend. Dieses Buch hat mich nachdenklich gestimmt, unsere Zeit ist einerseits so anonym, andererseits wird in der Öffentlichkeit des Netzes alles breitgeschlagen. Diese Trostlosigkeit, sie hat mich beim Lesen ergriffen, ich kenne nur ein Mittel dagegen; wenn meine Kinder weinen, tröstet sie meine Umarmung am besten! Wir sollten die Menschen, die wir mögen, mehr umarmen.

Meine Wertung: 7/10

Rudolf Bussmann / Das andere Du
Verlag: Bücherlese, Seiten: 205

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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