Sandra Schmid und Sandra Bühler / Menschen wie du und ich

by Manuela Hofstätter on 28. September 2018

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Wenn wir die 100 Jahre alte Margrit ansehen, staunen wir über ihren frischen, sinnierenden Blick und beim lesen, was sie uns berichtet, kann uns gerne eine Träne der Rührung entwischen: “Ich bin hundert Jahre alt und fühle mich wie der glücklichste Mensch auf Erden. Lache. Sei fröhlich.” Ich glaube der Baslerin gerne … Wenn Guénola aus Kapstadt aus ihrem noch jungen Leben berichtet, von Drogen, Missbrauch und Verlust, dann wird uns ganz mulmig, doch ein Blick in ihre Augen lässt uns hoffen, dass sie ihren Weg gehen wird … Juan aus Peru verlor als Kind seine Mutter, er sah sie gemeinsam mit seinem Bruder in den Fluss fallen und ertrinken, die Brüder mussten mit einem gewalttätigen Alkoholiker von Vater eine Weile weiterleben und als dieser verschwand ganz alleine. Juan bekam eine Frau und Kinder, doch er wurde leider das Ebenbild seines Vaters. Aber Juan erhielt eine Chance und eine lange Zeit, in der er umdenken konnte, schliesslich konnte er seiner Familie doch etwas geben, das er selber nie hatte …

Wenn der 60 Jahre alte Jack berichtet, er sei Einsatzleiter des Rettungsdienstes in Manhattan gewesen, als die Türme des World Trade Centers dem Terror zum Opfer fielen, dann verstummen wir fassungslos. Jack hat überlebt, er trägt jeden Tag ein Lächeln auf seinem Gesicht, aber auch die Hölle in sich … Jafet war in Panama einer der berüchtigten Dealer und Bandenchef bei Ciudas de Dios, in der Haft fand er zum Glauben, heute ist er wieder ein Oberhaupt wie er berichtet, von seiner Frau und den Kindern, Zwillingsmädchen, welchen er ein sicheres Zuhause gewährleisten will …

Kate in Manhattan lernt seit fünf Jahren, in ihrem neuen Leben zurechtzukommen, denn sie wuchs in Pennsylvania in einer Amish-Gemeinde auf … German in Potosi in Bolivien berichtet von seiner höllisch gefährlichen Arbeit als Minenarbeiter, er hat keine andere Wahl und arbeitet hart, denn er möchte, dass seine Kinder ein anderes Leben werden führen können … Dina hat als Indonesierin bis zum bitteren Ende und einer Scheidung ihrem Mann gedient, nun ist sie in Bali daheim, besitzt kaum mehr etwas und doch hat sie das Wichtigste gefunden, die Erkenntnis, keinen Mann zu brauchen und glücklich sein zu dürfen …

Dieses Buch hält noch viele weitere Lebensmomente von Menschen aus der Schweiz wie aus der ganzen Welt bereit, oft begegnen wir harten Schicksalen, nicht alle Geschichten wollen wir verstehen können und gerade das ist auch wertvoll, wir Menschen sind verschieden und während die einen die Familie zum Höchsten in ihrem Leben erklären, ist dies für andere eben Mitglied in einer sektiererischen Gruppe zu sein. Ein kostbares, faszinierendes Buch!

Fazit: Zwei starke Frauen reisen, fotografieren, berichten und verbinden Menschen aus der ganzen Welt!
Was hat dich im Leben am meisten geprägt? Dieser Frage gehen die beiden Powerfrauen, die dieses Kunstwerk geschaffen haben, nach. Sie reisen, recherchieren und fotografieren mit einer Lebensfreude und Menschenkenntnis, die etwas ganz Besonderes ist. So verbindet man in unserer Welt Geschichten und Menschen, die beiden Frauen sind denn auch seit Jahren als Freundinnen innig verbunden und entfacht von fantastischen Ideen, sie ergänzen sich vortrefflich. Fasziniert betrachtet man die Portraits der unterschiedlichsten Menschen und liest deren Lebensgeschichten, oft verblüffen und berühren diese uns tief, jedes einzelne Leben ein funkelnder Stern. Dieses Buch ist einfach etwas vom Schönsten, was man zwischen Buchdeckeln entdecken kann, ich finde, es ist ein kostbares Geschenkbuch von Menschen für Menschen. Einzigartig schön!

Meine Wertung: 9/10

Sandra Schmid und Sandra Bühler / Menschen wie du und ich
Verlag: Stämpfli, Seiten: 168
http://menschenwieduundich.ch

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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