Saphia Azzeddine / Mein Vater ist Putzfrau

by Manuela Hofstätter on 28. Februar 2015

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Paul, sein Vater nennt ihn nur Polo, ist ein vierzehnjähriger Pariser Banlieuejunge. Das ist alles andere als lustig so ein Leben, aber Polo hat zusätzlich noch mehr Pech, denn er ist weder schwarz noch arabisch oder jüdisch und er sieht mittelmässig aus und ist bleich, weiss, klein und völlig unbedeutend. Polos Schwester ist hübsch, eigentlich sogar recht schön, doch im selben Masse auch dumm. Die Mutter sitzt im Rollstuhl und der Vater putzt. Polo ist ein guter Sohn, er versucht mit ganzem Herzen seinen Vater zu lieben, ergeben hilft er ihm putzen, wann immer er nur kann, dabei müsste er genügend Schlaf haben, um in der Schule zu bestehen. Am liebsten hilft Polo in der Bibliothek putzen, denn er hat seine Liebe zur Literatur entdeckt. Er lernt Wörter, erkundet die Sprache, erobert Autoren und somit eine andere, eine bessere, die einzig richtige Welt. Das Abi schaffen, den Vater stolz machen und auf jeden Fall ein besseres Leben erreichen, als der Vater es hat, das ist alles, was Polo will. Aber auf dem Weg zu seinen Zielen kommen Polo die Frauen, seine Wurzeln und die Mathematik mühsam in die Quere, aber ein Junge aus den Banlieues, dazu noch ein belesener Junge, der findet immer seinen Weg. Oder etwa doch nicht?

Saphia Azzeddine / Mein Vater ist Putzfrau

Fazit: Literatur siegt über Mathematik! Aus dem Leben eines Banlieuejungen.
Polo und sein Vater, das ist die Geschichte einer ganz besonderen Vater-Sohn Beziehung in einer Gegend, in welcher Hoffnung ein luxuriöser Gedanke ist und das Leben eigentlich so rein gar nichts mit schöner Literatur gemein hat. Aber Polo erobert die schöne Sprache, die feinen Worte und meistert dazu den Spagat zu seinen derben Wurzeln der Banlieues. Oft ist da trotz grosser Verzweiflung ein Hoffnungsfunke, ein vortrefflicher Humor sowie eine nüchterne Selbsteinschätzung dem Protagonisten eigen, man muss ihn bewundern und für ihn hoffen, auf dass sein Leben gelingen möge!

Meine Wertung: 8/10

Saphia Azzeddine / Mein Vater ist Putzfrau
Verlag: Wagenbach, Seiten: 121

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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