Sarah Crossan & Brian Conaghan / Nicu & Jess

by Manuela Hofstätter on 13. September 2018

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Jess ist fünfzehn Jahre alt und hat es nicht einfach, in der Schule versucht sie um nicht aufzufallen, ihre dummen Freundinnen und Mitschüler zu ertragen, mit ihnen gleich zu tun, daheim lebt sie in ständiger Angst. Terry, der Partner ihrer Mutter ist gewalttätig, bis jetzt lässt er seine Fäuste einzig an ihrer Mutter aus und hat Jess zur Komplizin gemacht, denn er zwingt Jess Demütigungen gegenüber ihrer Mutter zu filmen. Jess hasst den Kerl innig, doch ihre Mutter hat nicht die Kraft, ihn zu verlassen, und Jess befürchtet auch, dass er sie umbringen würde. Als ob ihr Leben nicht schon genug neben der Spur laufen würde, wird Jess noch eines Diebstahls überführt, nun heisst es für sie Sozialstunden zu leisten. Nicu ist neu in England angekommen, London erscheint ihm fremd, doch seine Eltern trösten ihn, sie werden nicht lange in London verweilen, nur solange, bis sie genug Geld haben um in ihre Heimat zurückgehen und für Nicu eine Frau besorgen zu können. Nicu ist erst fünfzehn Jahre alt, aber die Romafamilien verheiraten ihre Kinder früh, Nicus Eltern sind sehr traditionell in ihrem Verhalten. Doch Nicu ist anders, er landet wegen Diebstahls im selben Sozialprojekt wie Jess und später sogar an derselben Schule wie sie. Nicu hat einen klaren Blick auf die Dinge, ja, es gibt die harten Menschen, diejenigen, die ihm “Zigeunerarsch hau ab” auf seine Hefte schreiben, aber es gibt auch gute Menschen. Diese Jess, sie scheint ein anderer Mensch zu sein und als sie im Park zusammen Müll aufsammeln müssen, kommen sie sich näher. Jess lacht Nicu nicht aus, wenn er so komisch spricht, weil er der neuen Sprache noch nicht mächtig ist, sie hilft ihm und zudem ist ihr Lachen einfach wunderbar. Nicu will ein guter Junge sein, es ist wichtig, er möchte nicht zurück in die Heimat, er möchte hier bleiben, eine Chance haben, ein Leben. Er beisst die Zähne zusammen, muckst nicht auf, wehrt sich selbst dann nicht, wenn er verprügelt wird, denn er muss noch mehr ein guter Junge sein als die Jungs von hier, er hat einen Makel, ihm misstraut man, denn er ist der Fremde, derjenige, der von Anfang an immer im Verdacht steht. Doch nun hat Nicu Jess, Jess ist unglaublich, und Nicu würde alles tun für dieses Mädchen. Jess hat zuerst weggeschaut, wenn Nicu gequält wurde, doch dann merkt sie, dass die Zeit gekommen ist für einmal das Richtige zu tun, sie verteidigt Nicu. Dieser Junge, der so komisch spricht, sie hat ihn in ihr Herz gelassen, sie vertraut ihm, kann ihm alles erzählen. Nicu ist sanft, mit Nicu könnte das Leben etwas Schönes sein. Doch in zehn Tagen soll Nicu verheiratet werden, gegen seinen Willen und das wollen sie nicht zulassen … Finden die beiden einen Ausweg, einen gemeinsamen Weg?

Fazit: Ich Nicu nichts Taugenichts, ich wissen viele Sachen … Ich Jess, ich tue zum ersten Mal das Richtige.
Diese moderne Liebesgeschichte kann tatsächlich mit Romeo und Julia in der heutigen Zeit bezeichnet werden. Nicu und Jess haben beide ein hartes Los und finden einander beim Müll Aufsammeln, Nicu sammelt schnell und exakt, fast verbissen Müll auf, so als gelte es, sein Leben zu entmüllen. Tatsächlich entwickelt sich zwischen Nicu und Jess etwas ganz Besonderes, etwas ganz Feines aber zugleich unvergleichbar Starkes. So ist es dann Nicu, der im entscheidenden Moment eine Entscheidung trifft, eine starke, die richtige? Zudem ist dieser Roman in einer ganz eigenen Sprache und einer knappen und dadurch umso eindringlicheren Form sehr gelungen geschrieben. Ein cooler Lesetipp für Schüler, da schnell gelesen. Ich glaube, diese Geschichte kann junge Erwachsene gleichermassen berühren wie alle Lesenden und Liebenden, die daran glauben, dass die richtige Begegnung im Leben alles verändern kann.

Meine Wertung: 8/10

Sarah Crossan & Brian Conaghan / Nicu & Jess
Aus dem Englischen übersetzt von Cordula Setsman
Verlag: Mixtvision, Seiten: 300

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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