Sarah Kuttner / Kurt

by Manuela Hofstätter on 11. Mai 2019

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Zuerst gab es in Lenas Leben nur einen Kurt, in welchen sie sich heftig verliebt hatte, doch dieser Kurt, der sie gerade durch seine gefühlvolle Art beeindruckt, teilte ihr schnell mit, ihn gebe es nur zusammen mit dem kleinen Kurt, seinem Sohn. Während Jana, die Ex-Frau und Mutter vom kleinen Kurt, in der Stadt lebt, träumen Lena und der grosse Kurt vom Leben im Grünen. Sie kaufen im brandenburgischen Oranienburg ein Haus, es ist alt, es gibt viel zu machen daran und Lena stürzt sich mit Freude und Leidenschaft in die Gartenarbeit. Lena war nicht erst beim gemeinsamen Hauskauf klar, dass sie ihr Leben genau mit diesen beiden Kurts verbringen will, doch nun ist es Realität geworden und für Lena stellen sich viele Fragen. Als der kleine Kurti sie zum ersten Mal nackt sieht, ist diese Situation einen Moment lang komisch und abstrakt, doch Lena und der grosse Kurt wie nicht zuletzt auch der süsse, sechsjährige, kleine Kurt, retten solche Situationen mit Humor, Liebe und kessem Kindermund. Kurt ist aber auch ein süsser Bengel, er erobert Lenas Herz im Sturm. Als der Garten immer mehr Form annimmt und Lena sehnlich darauf wartet, diesen zu sehen, wenn er aufblüht, da passiert es. Ein Unfall, Kurt ist vom Klettergerüst gefallen und gestorben. Die Welt dreht sich weiter, doch der kleine Kurt ist nicht mehr da und der grosse zieht sich in seinem Schmerz und seiner Trauer völlig von Lena zurück, er bleibt immer öfter bei Jana, trinkt viel zu viel und spricht kaum mehr mit Lena. Doch auch Lena ist in Trauer, sie hat den kleinen Kurt auch verloren und war nicht einmal bei der Beerdigung dabei, sie entwickelt ihre eigene Art zu trauern, und klammert sich an schöne aber auch schräge Erinnerungsstücke. Der Frühling hat den Garten erreicht, mit seiner Farbenpracht und seinen fröhlichen Tönen steht er in krassem Gegensatz zur Seelenverfassung Lenas. Wird dieser Verlust, diese Trauer sie auffressen, eines ist sicher, sie wird immer einen Platz behalten im Leben aller, die Kurt verloren haben. Doch nicht nur der Frühling zieht einfach voran, auch das Leben geht rücksichtslos weiter und es wird sich zeigen, ob Lena und Kurt wieder zueinanderfinden und die Familie insgesamt neue Wege findet. Es sind kleine, langsame Schritte, die sie alle gehen, doch es sind wichtige Schritte, grossartige Schritte ins Leben, welches weiter geht.

Fazit: Über das Trauern, den Verlust und das Weitergehen!
Wenn man diesen Roman zu lesen beginnt, staunt man über die frische, freche und kesse Sprache der Autorin, manche mögen vielleicht diese Sprache nicht und beschliessen, dieses Buch zur Seite zu legen, denjenigen möchte ich beherzt zurufen, tut das nicht, dieses Buch ist kostbar, wild und doch so behutsam. Früher oder später sind wir alle davon betroffen, um einen geliebten Menschen zu trauern, die Protagonistin Lena tut dies in “Kurt” aus einer ganz speziellen Position heraus, doch Sarah Kuttner hat einen Roman geschrieben, der das Thema Trauerarbeit aus verschiedensten Blickwinkeln durchleuchtet, jede und jeder trauert anders und muss doch weiterleben. Dass dieses Leben wieder weiter gehen darf, kann und soll, dies zeigt “Kurt” auf wunderbare Art und Weise und so steht der “kleine Kurt” für alle, die wir verloren haben, welche aber gewiss nicht gewollt haben, dass ihre Lieben nicht mehr weiter am Leben teilhaben. Ein Buch voller Leben, ein ganz besonders lesenswertes Buch!

Meine Wertung: 9/10

Sarah Kuttner / Kurt
Verlag: S. Fischer, Seiten: 240

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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