Sarah Perry / Die Schlange von Essex

by Manuela Hofstätter on 23. November 2017

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London 1893, Cora Seaborne holt auf den Befehl ihres kranken Mannes Michael den Arzt Garrett ins Haus. Lukes Garrett ist bekannt für seine Leidenschaft und seinen Mut im Bereich des Medizinischen, er staunt über die Kälte, die Boshaftigkeit, die vom Patienten ausgeht. Cora ist zuvorkommend, eine pflichtgetreue Ehefrau, doch Garrett denkt immer, dass sie sicherlich froh ist, wenn ihr Mann stirbt. Auch den Sohn der Seabornes lernt der Arzt kennen, er ist ein stiller Junge, sehr distanziert auch gegenüber seiner Mutter. Anders die Kinderfrau und engste Freundin Coras, Martha, die beiden Frauen scheinen sich völlig vertraut, Garrett neidet dies Martha gar, denn Cora bewegt ihn sehr. Michael Seaborne stirbt und eine innige Freundschaft zwischen Garrett und Cora baut sich auf, doch diese reist nun mit Martha und ihrem Sohn zu einer Pfarrfamilie, welche ihr wärmstens empfohlen wurde, nach Aldwinter in Essex. Cora kann endlich leben, wie sie das möchte, ihre Leidenschaft gilt der Wissenschaft, als Anhängerin Darwins und Hobbyarchäologin kann sie nun in der Sumpflandschaft im langen Männermantel frühmorgens auf Forschungstouren gehen. Die Familie Ransome ist tatsächlich liebreizend, eine sofortige innige Verbindung entsteht zwischen ihnen allen. Doch Garrett in London liest eifersüchtig immer nur den Namen Will in Coras Briefen. Tatsächlich entspannt sich zwischen dem Vikar Will Ransome und Cora eine leidenschaftliche Verbindung, er ist kein verschlossener Gottesmann, er liefert sich gerne kritischen Gesprächen aus und hat Interesse an der Wissenschaft, Cora und Will ergänzen und streiten sich aufs Prächtigste. Im Ort gilt es für Will, gegen den alten Aberglauben anzukämpfen, welcher offenbar die Herzen der Leute erreicht. Die alte Legende um den Lindwurm von Essex ist wieder zum Leben erwacht, die geflügelte Schlange soll wieder aus den Sümpfen und dem Wasser gekrochen sein und hat bereits erste sündige Opfer zu sich geholt. In Wills Kirche ziert die Schlange gar eine Kirchenbank, der Vikar möchte das Kunstwerk am liebsten entfernen. Cora ihrerseits glaubt durchaus daran in Essex Funde machen zu können, ihr Traum einen Plesiosaurus finden zu können ist realer denn je. Während die Menschen im Ort immer hysterischer reagieren, erschüttert die Familie Ransome die Erkrankung von Wills Frau Stella. Cora und Will wissen mit ihren Gefühlen füreinander zuweilen kaum mehr umzugehen und die Schlange, kann sie aus den Köpfen der Menschen vertrieben werden, oder gibt es sie etwa gar doch?

Fazit: Ein starkes Frauenbild aus der Viktorianischen Zeit.
Cora Seaborne ist eine Protagonistin, die wir nicht so schnell wieder vergessen. Als Cora endlich von ihrem strengen viktorianischen Eheleben in London befreit wird, bricht sie auf in ihr eigenes Leben, ein Leben voller Abenteuer, Forscherdrang und Lust nach Wissen. Cora liebt die Menschen, die sie lieben will, wie auch die Sachen, die sie machen will und an die sie glaubt aus vollem Herzen. Ihre enge Freundin Martha ist eine grosse Sozialistin und kämpft für bessere Wohnbedienungen für die Armen in London und wie Cora geht Martha ihren Weg unbeirrt und um jeden Preis. Dieser Roman wurde mit dem Britischen Buchpreis für den besten Roman des Jahres ausgezeichnet. Starke Frauen, leidenschaftliche Protagonisten, ein authentisches Stück Zeitgeschichte und die Themen Wissenschaft, Religion, Aberglaube und Liebe aufs Beste in diesem bewegenden Roman auf den Punkt gebracht. Lesen und eintauchen in eine wahrhaft prächtige Geschichte!

Meine Wertung: 9/10

Sarah Perry / Die Schlange von Essex
Aus dem Englischen übersetzt von Eva Bonné
Verlag: Eichborn Verlag, Seiten: 492

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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