Sarah Perry / Nach mir die Flut

by Manuela Hofstätter on 14. März 2019

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John Cole ist ein etwas verschrobener und recht einsamer Buchhändler, seine kleine Buchhandlung betritt eigentlich kaum je ein Mensch. So beschliesst John, spontan alles hinter sich zu lassen, sperrt seine Buchhandlung ab um London zu verlassen, um seinen Bruder zu besuchen. Unterwegs hat John eine Autopanne, er biegt in einen Waldweg ab und merkt, nicht nur sein Auto ist schlecht unterwegs, auch er wird von einer heftigen Migräne attackiert. Als er ein wenig frische Luft atmen will und ein paar Schritte geht, steht plötzlich ein seltsames Anwesen vor ihm, tatsächlich scheint es bewohnt, er nimmt Bewegungen wahr hinter den Fenstern. Als sich die Türe öffnet und ein zartes Wesen, er vermag nicht zu sagen, ob es ein Mädchen oder eine Frau ist, zeigt und ihn freudig bei seinem Namen ruft, weiss John nicht, was ihm geschieht. Unversehens ist er im Haus drinnen, bekommt ein Glas Wasser gereicht mit der Nachricht, sein Gepäck sei schon auf sein Zimmer gebracht worden und alle würden schon freudig auf ihn warten. John ist zu schwach, um zu protestieren, wer sind diese Menschen, die da auf ihn warten in diesem Haus, er kennt sie nicht und auch das Gepäck im Zimmer ist nicht seines. John ist verwirrt, angeschlagen, müde und hungrig, so landet er bei Tische und trifft beim üppigen Abendessen auf die anderen Hausbewohner. Hester, breit, klein und, er kommt nicht auf ein milderes Wort, hässlich, scheint das Sagen zu haben im Haus. Eve, eine faszinierende Person, absolut eigen aber eigentlich nur beim Klavierspielen anzutreffen, Alex, ein junger, verängstigter, bildhübscher Mann und eben dessen Schwester Claire, welche einen absolut kindlich naiven Eindruck macht sowie der gealterte Priester Elijah, der seinen Glauben verloren hat und nun abwartet, was ihm widerfährt. John kann die offenbare Verwechslung, was seine Person anbelangt, nicht klären, zudem fühlt er sich angeschlagen aber zugleich auch wohl in der seltsamen Gemeinschaft. Er bleibt unglaublicherweise bei diesen Menschen, sie offenbaren sich immer mal mehr, mal weniger in Gesprächen und besonders Alex seine Not berührt John. Nachts ist der junge Alex nämlich ein Getriebener, er klettert auf den Schutzwall hinter dem Anwesen und schwimmt im Staubecken dahinter. Er ist überzeugt, dass es einen Riss gibt, welcher bald nachgeben wird und sie alle in der dann kommenden Flut töten wird. John erlebt Alltag mit diesen Menschen und eben auch viel Skurriles, sich selbst vorne weg, warum klärt er nicht endlich alle auf, dass er nicht der John sein kann, auf welchen sie alle warten? Sogar einen Tag am Meer verbringen sie alle zusammen, er endet in einer grossen Aufregung, ein kleiner Junge, welcher mit Alex im Sand gespielt hat, ist plötzlich verschwunden, so auch Alex. Die Mutter des Jungen ist ausser sich, als sie alle nach den beiden suchen und sie garantiert ihnen, dass sie sofort zur Polizei gehen wird, und will alle ihre Namen und Telefonnummern. John weiss nicht, was er denken und fühlen soll, die Stimmung ist unbeschreiblich, was wird noch passieren?

Fazit: Düster, kurios, unbeschreiblich …
Dieser Roman war im englischen Original Sarah Perrys Debüt, ins Deutsche wurde er aber erst jetzt nach ihrem grossen Erfolg mit dem historischen Roman “Die Schlange von Essex” übersetzt. Diese Tatsache ist ungünstig für das Debüt “Die Flut”, denn hier schreibt die Autorin einfach ganz anders. Ich war zugegebenermassen auch zuerst enttäuscht, der Anfang liest sich vielversprechendend, dann hat für mich der Roman grosse Schwächen und zum Ende hin wieder eine Qualität, die man schätzt. Hier ist einfach ein ganz anderes Genre als bei ihrem Erfolgsroman anzutreffen, hier kann man sich etwas gruseln, hinterfragen, ja auch ärgern und man wird verwirrt und schliesslich doch bis zu einem gewissen Punkt aufgeklärt. Die düster anmutende Stimmung in diesem Roman, das Wahnhafte, das Surreale und die verschiedenen Charaktere die uns begegnen haben mich doch auch beeindruckt. Hass, Liebe, Religion, Angst, Wahn und einige andere menschliche und unmenschliche Regungen beschäftigen uns in diesem Buch.

Meine Wertung: 7/10

Sarah Perry / Nach mir die Flut
Verlag: Eichborn, Seiten: 271
Übersetzt aus dem Englischen von Eva Bonné

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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