Sayaka Murata / Die Ladenhüterin

by Manuela Hofstätter on 25. Mai 2018

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Keiko Furukura wächst auf und bald ist ihrer Familie klar, sie ist irgendwie anders, ihre Reaktionen haben wenig mit Empathie zu tun, sind lediglich Keikos Logik entsprungen. Oft kamen Telefonate aus der Schule, und als Keiko dann als junge Frau einen Job bekommt in einem rund um die Uhr geöffneten Konbini (Supermarkt), sind alle erleichtert. Keiko hat ihre winzig kleine Wohnung und ihren Konbini, manchmal besucht sie ihre Schwester, welche ihr immer mit Rat und Tat zur Seite steht, es war auch Keikos Schwester, die ihr riet, sich eine Krankheit anzudichten und diese vorzuschieben, wenn man Keiko zu Leibe rückte, warum sie seit 18 Jahren nur einen Aushilfsjob im Konbini habe und keinen Beruf erlernt habe. Im Konbini ist Frau Furukura sicher, es ist alles ganz klar vorgeschrieben, sie hat sich die Regeln jahrelang eingeprägt, sie weiss genau in welcher Tonlage man Kunden begrüsst, wie man in jedmöglicher Situation zu reagieren hat und welche Mimik man im Gesicht trägt. Doch dann kommt ein neuer Angestellter, Herr Shiraha, er ist zu gar nichts im Stande, tut meistens auch nichts und schimpft nur ständig vor sich hin. Shiraha findet, die Menschheit entwickle sich zurück und es sei alles wieder wie in der Jōmon-Zeit. Bald schon ist Shiraha seinen Job wieder los und Keiko ist darüber sehr erleichtert, doch es kommt zu einer Begegnung, in deren Folge es sich ergibt, dass Shiraha bei Keiko einzieht. Das Gerücht vom Mann in Keikos Leben macht schnell die Runde und löst unglaubliche Reaktionen aus. Keiko und Shiraha treffen eine Abmachung, sie lässt ihn bei sich wohnen und sorgt für seine Ernährung, und dafür kann sie sich in den Schutz einer angeblichen Beziehung zurückziehen. Aber so einfach, wie sie sich das vorgestellt haben, ist es eben nicht und alles gerät komplett durcheinander.

Fazit: Frau Furukura hat ein Lebewesen in ihrer Wohnung, sie füttert den Mann sogar!
Dieser Roman ist etwas Besonderes, ein eigener Kosmos tut sich da auf in der Welt des Konbinis. Frau Furukura lebt voll und ganz für den Supermarkt und dieser gibt ihr dafür den nötigen Halt im Alltag. Sie ist wahrlich im besten Sinne eine Ladenhüterin, wie der Titel dieses Romanes heisst, aber wir erfahren auch die zweite Bedeutung des Wortes “Ladenhüterin”. Durch Shiraha werden quasi beide Formen, die mit “Ladenhütern” gemeint sind, für Keiko bedroht oder verbessert. Wobei, was die Gesellschaft als gut befindet, muss für eine Frau Furukura ja nicht stimmen, oder? Klug, schräg und amüsant ist dieser Roman, ein Geheimtipp, diese Leseempfehlung, für alle diejenigen, die sich trauen so zu leben, wie sie das wollen.

Meine Wertung: 8/10

Sayaka Murata / Die Ladenhüterin
Aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe
Verlag: Aufbau, Seiten: 145

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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