Shlomo Graber / Der Junge, der nicht hassen wollte

by Manuela Hofstätter on 20. Dezember 2016

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Im damals ungarischen Städtchen Majdan (heute Maidan) wächst Shlomo auf, er wurde 1926 geboren. Sein Grossvater und seine Mutter sind die engen Bezugspersonen des fröhlichen Jungen Shlomo, seinen Vater bekommt er erst in späteren Kindheitsjahren, denn dieser wusste gar nichts von seiner Vaterrolle. Aber es sind dann Vater und Sohn, die als einzige Überlebende der Familie im Konzentrationslager Görlitz die Freiheit feiern, gemeinsam mit anderen, abgemagerten Menschen. Gespenstern gleich marschieren sie nackt in die verlassene Stadt, dort trifft Shlomo auf eine deutsche, junge Mutter mit ihrem kleinen Mädchen in den Armen, er überreicht der Frau einen Kanten Brot, seine Kollegen können dies nicht verstehen und weisen ihn barsch darauf hin, dass er einer Deutschen Nahrung gebe. Shlomo erwidert, wenn er diese Frau, dieses unschuldige Kind strafe und hungern lasse, dann sei er nicht besser als die Nazis. Die Kollegen schweigen betreten. Mit vierzehn Jahren erfuhr Shlomo, was Hass ist und was Deportation bedeutet, Gefangenschaft, Hunger, menschliche Grausamkeit, das gehört nun zum Alltag seiner folgenden Jugendjahre. Es gibt so viele Dinge, welche man sich nicht vorstellen kann, viele hat der Autor sogar für sich behalten. Doch als seine Mutter mit der kleinsten Schwester im Arm in der Reihe der Frauen verschwindet, zerreisst es uns das Herz. Viele Menschen sieht Shlomo Graber sterben, er fragt sich, welch ein Gott das sein soll, der solches Elend zulässt und er muss feststellen, auch andere Juden werden zu Unmenschen, wenn sie glauben, ihre Haut so noch retten zu können und sei es auch nur für ein paar Minuten. Immer wieder hat der Junge Shlomo auch unfassbares Glück, immer wieder bringt er sich in Lebensgefahr, weil er Essen stiehlt für seinen Vater und einen Mann, der ihn durch seine Menschlichkeit berührt. Fast hätte der Hass Shlomos Herz in Besitz genommen und das könnte man durchaus verstehen, aber er erinnert sich immer an die letzten Worte seiner Mutter: Liebe ist stärker als Hass. Darum konnte der achtzehnjährige Jude der jungen deutschen Mutter und deren Kind den Kanten Brot überreichen und darum hat Shlomo Graber auch als Mensch überlebt.

Fazit: Von Hass, Liebe und Vergebung!
Dieser wahre Bericht des Autors ist eine Lektüre, die uns tief erschüttert. Nüchtern und sachlich trägt uns Herr Graber die Fakten des 2. Weltkriegs zusammen, berichtet von seinen Jugendjahren, der normalen, behüteten Kindheit, die abrupt in Gefangenschaft, in der absoluten Entmenschlichung endete. Drei Konzentrationslager, Hass ohne Ende und ein grosser Überlebensdrang gepaart mit Glück haben dazu geführt, dass der Autor heute im stolzen Alter von einer der schlimmsten Zeiten überhaupt berichten kann. Das Buch ist der heutigen Jugend gewidmet, denn diese ist die Zukunft! Shlomo Graber appelliert an die Menschlichkeit, denn nur diese kann die Welt verändern. Ein Buch, das tief erschüttert, aber genauso bewegt, ein wichtiges Buch!

Meine Wertung: 8/10

Shlomo Graber / Der Junge, der nicht hassen wollte
Eine wahre Geschichte
Verlag: Riverfield, Seiten: 221

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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