Stef Stauffer / Bis das Ross im Himmel ist

by Manuela Hofstätter on 5. Februar 2015

Post image for Stef Stauffer / Bis das Ross im Himmel ist

Ein Dorf in den 40er Jahren, die Häuser gepflegt, die prächtigen Gärten nähren in schwierigeren Zeiten die hungrigen Mäuler und zeigen an, wo wohl die tüchtigste und ordentlichste Hausherrin das Zepter in der Hand hält. Der Sattlerbetrieb hat eine grosse Kundschaft und eine langjährige Geschichte, der Grossvater steht auch noch oft im Betrieb, aber man merkt ihm sein Alter langsam schon an. Der Bub liebt den Grossvater, seine Geschichten, die er immer erzählt von früher und das Schoggihüseli, das er für ihn liebevoll bereithält. Der Vatter ist ein Handwerker von altem Schrot und Korn, er ist stolz auf seinen braven Buben, der gewiss tüchtig mithelfen tut, doch er ist nicht ein Mann, der diese Gefühle zeigen kann. Er merkt, dass andere Zeiten kommen, dass sein Handwerk einen schweren Stand hat, die Aufträge gehen zurück und seine cholerischen Wutausbrüche nehmen etwas zu. Der Vatter tut sich schwer mit der neuen Zeit, immer mehr Automobile tauchen auf, plötzlich die ersten Traktoren, welche die Pferde ablösen. Ja, das grosse, schwere Schaupferd, welches sie vor Ihrem Geschäft haben und welches dem Bub immer etwas Unbehagen bereitet hat, auch das kommt in die Jahre. Einzig die Mutter scheint unerschütterlich, sie lebt, um zu arbeiten, streng aber beherzt richtet sie alles zum Guten. Der Bub ist ein Denker, ein feiner Geist steckt in ihm, er ist folgsam und macht, was ihm aufgetragen wird, aber er weiss eigentlich, den Beruf des Vatters will er nicht erlernen. In der knappen Freizeit frönt er seinem Hobby und baut Modellflugzeuge, mit seinen Freunden wird mancher Streich ausgeheckt und manch gefährliches Experiment in die Tat umgesetzt. Der Verlust hält Einzug in der Familie des Buben, den Grossvater vermisst er am meisten. Der Vatter handelt, stellt einen kundigen Gesellen ein und sattelt im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig um, schaut, dass es weiter geht. Der Bub geht auch weiter, er ist ein guter Schüler, er bekommt eine Lehrstelle als Hochbauzeichner, der Vatter ist stolz, alles wird weitergehen.

Stef Stauffer / Bis das Ross im Himmel ist

Fazit: Handwerksfamilie in den 40er Jahren, berührend und authentisch!
Die Geschichte des Sattlers und seiner Familie in bewegten Zeiten ist ein Stück Schweizer Geschichte, packend und sinnlich werden wir an die Hand genommen und dürfen auf eine Zeitreise gehen. Diese Familie hält zusammen, trotzt dem Umschwung und erarbeitet sich immer erneut ihren Lebensunterhalt. Stef Stauffer schreibt deutsch, es fliessen aber die wichtigen und wertvollen Mundartwörter so zeitgemäss in ihren Text ein, dass es eine wahre Freude ist, das zu lesen! Viele Sitten, Sprüche, Spiele und Ausdrücke im Roman haben mich heimatlich tief berührt und an mein strenges Aufwachsen bei den Grosseltern erinnert. Beim Mittagessen etwa darf nicht gesprochen werden und man hört sich im Radio die Nachrichten an. Auch das “Zwirbelen” ist eine intensive Kindheitserinnerung.

Meine Wertung: 9/10

Stef Stauffer / Bis das Ross im Himmel ist
Verlag: Lokwort, Seiten: 190

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
There are no images.
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment