Stefan Brijs / Der Engelmacher

by Manuela Hofstätter on 20. Oktober 2007

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Die Einwohner von Wolfheim hätten nie geglaubt, dass das seit langem leer stehende Doktorhaus wieder bewohnt wird. Aber erst recht ins Staunen kommen die Dörfler, als sie den Sohn des ehemaligen Doktor Hoppes erblicken, Viktor Hoppe ist ebenfalls Arzt geworden und zieht nun mir drei Babys ins alte Haus ein. Er hat das selbe rote Haar wie der Vater es hatte, so munkeln die Bewohner sofort, aber was ist wohl mit der Mutter der Kleinen, und gibt es nun wieder einen Arzt im Dorf? Ein Junge hat als Einziger einen Blick auf die Drillinge werfen können und schildert deren Aussehen in höllischem Szenario. Schrecklich bleich seien sie diese drei Babys, mit tief gespaltenen Köpfen völlig entstellt, jedoch alle völlig identisch. Hat etwa das Böse das Dorf heimgesucht? Aber nein, als Doktor Hoppe einen Jungen vor dem Erstickungstod retten kann, bricht er damit das Eis. Alle Bewohner dürfen einen Blick auf die Babys werfen, zugegeben, es sind eigenartige Kinder, bleich mit riesigen Augen und sie haben alle exakt dieselbe Hasenscharte Ihres Vaters geerbt, aber der freche Junge hatte masslos übertrieben. Erleichterung macht sich breit, zumal der Doktor auch ein wirklich herausragender Arzt ist der wahre Wunder vollbringen kann. Ja, und auch wenn man die Kinder kaum mehr sieht, ist man beruhigt, denn Charlotte Maenhout wurde eingestellt im Doktorhaus um auf Raphael, Michael und Gabriel aufzupassen und sich um den Haushalt zu kümmern. Frau Maenhout kann zu den drei Jungs eine Beziehung aufbauen, sie beginnt die Kleinen auch zu unterrichten, denn es stellt sich heraus, dass sie von überdurchschnittlicher Intelligenz  und vor Wissensdurst nur so strotzen. Allerdings sind die Brüder aber körperlich zurückgeblieben, plötzlich fallen ihnen alle Haare aus und die Haut bekommt Flecken. Frau Maenhout versucht mit Doktor Hoppe darüber zu sprechen, aber der seltsame Mann erklärt ihr nur, dass er daran arbeite und schon alles gut werde. Der Schmerz über den Verlust der Mutter und dann auch noch kranke Kinder, das muss schrecklich sein für den Doktor, so entschuldigt die Frau seine komische Art, dieser Vater hat auch überhaupt keine Nähe zu seinen Kindern, er untersucht und behandelt sie bloss andauernd. Wer ist er denn eigentlich, dieser Viktor Hoppe, wie war seine Kindheit, sein Werdegang? Was man darüber erfahren muss, möchte mann gar nicht wissen. Als aber Frau Maenhout auch zu recherchieren beginnt und befürchtet, dass es sich um Kindesmisshandlung handelt, verunglückt sie ganz plötzlich und tragisch tödlich. Die Dorfbewohner sind entsetzt, der arme Doktor Hoppe, er ist einfach vom Unglück verfolgt. Als auch noch eine offensichtlich  irre gewordene Frau auftaucht, welche die Mutter der Drillinge sein will, scheint das Leid unerträglich zu werden. Eine Katastrophe bahnt sich an.

Fazit
Ausgezeichnet als bestes Buch des Jahres in den Niederlanden und Belgien. Stefan Brijs liefert uns eine gewaltige Geschichte. Was passiert, wenn ein Kind keine elterliche Liebe bekommt und satt dessen in erstickenden streng religiösen Kreisen aufwächst? Was wenn dieses Kind noch von ausserordentlicher Intelligenz ist? Es entsteht ein Mensch, der meint Gutes zu wollen und zu tun, aber kann er überhaupt Werte kennen, da er ja nie Liebe erfahren hat? Victor ist eine Figur, die man niemals mehr vergisst. Es bahnt sich als leises Grauen an und am Schluss merken wir, dass wir fasziniert gewesen sind aber auch schuldig! Ein wichtiges Buch und für mich ein Aufruf, immer wieder genau zu prüfen im eigenen Herzen, was Richtig oder Falsch ist und warum überhaupt. Die Menschheit darf sich nie als Herrscher sehen, und schon gar nicht als Herrscher über Leben und Tod.

Meine Wertung: 8/10

Stefan Brijs / Der Engelmacher
Verlag: btb, Seiten: 447

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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