Stefanie Aufleger / Das reizende Mädchen

by Manuela Hofstätter on 4. Januar 2012

Post image for Stefanie Aufleger / Das reizende Mädchen

Klein ist Frieda und unheimlich süss, als sich Karl einen festen Platz in ihrem Leben erobert. Der allerseits beliebte und erfolgreiche Politiker Karl Blumberger ist ein Freund der Familie, er kennt nicht nur Friedas Eltern, sondern er ist auch mit den Eltern von Friedas Mutter bereits befreundet gewesen. Karl hat Kinder, welche schon erwachsen geworden sind und eine Ehefrau, aber jetzt liebt er Frieda, das erzählt er gar frei heraus, wenn er mit seiner kleinen Freundin auf Einkaufstour geht oder zum Eisverkäufer, welcher die beiden schon bestens kennt. Frieda mag Karls Geschenke, zu Hause bekommt sie nie welche und auch kein Lob, keine Aufmerksamkeit und viel zu wenig Liebe. Leider empfindet Karl zu viel für das kleine reizende Mädchen und er missbraucht Frieda bereits als ganz kleines Wesen und dieser Missbrauch ist grauenvoll und hält weit über ein Jahrzehnt an. Dann bringt Frieda mit einer Anzeige den beliebten Politiker zu Fall, er landet im Gefängnis und seine Familie wendet sich schockiert von ihm ab. Für Frieda stellt der Prozess den Anfang eines harten Weges hin zu ihrer innerlichen Befreiung dar, der Weg ist voller Rückschläge, aber Frieda ist eine ganz aussergewöhnlich starke Frau. Frieda ist so stark, dass sie schliesslich Schwäche zulassen kann, sie begibt sich nach jedem Rückschlag immer wieder mutig zurück auf den Weg der Aufarbeitung ihres Lebens. Frieda hat tiefe Einsichten ins Menschsein erkannt, sie verurteilt nie, sie will nicht als Opfer angesehen werden und sieht in Karl nicht nur einfach den Täter. Frieda teilt ihr Schicksal mit uns und wir dürfen lernen und am Ende auch stolz sein, auf diese starke Frau und alles, was sie geleistet hat.

Fazit: Eine Missbrauchsgeschichte und Aufforderung zum Menschsein
Die Autorin und Journalistin Stefanie Aufleger hat sich intensiv und über mehrere Jahre mit dem Thema des Sexuellem Missbrauchs auseinandergesetzt. Ihre Schilderungen vermitteln uns ganz unterschiedliche, auch überraschende Einsichten und Erkenntnisse. Die Achtung gegenüber den Menschen, welche Vertrauen schenken konnten und über ihre Geschichte sprachen, diese Achtung hilft mit, dass man diese Geschichte um Frieda Hornungs Leben niemals mehr vergessen wird. Dieses Buch ist eines der wirklich wichtigen Bücher im Leben, es klärt auf, sensibilisiert und regt an, bewusster zu leben, Mitmenschen wahrzunehmen und Verantwortung zu tragen für sich und seine Mitmenschen. Sexueller Missbrauch findet statt, leider wohl mehr als wir wissen. Diese Geschichte macht auch wütend, doch wenn wir Frieda zuhören, merken wir, dass Wut keine Hilfe darstellt, sie ist lediglich eine verständliche Reaktion unserer Hilflosigkeit.

Meine Wertung: 9/10

Stefanie Aufleger / Das reizende Mädchen
Verlag: Nardelli, Seiten: 287

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
There are no images.
Share with your friends










Submit

{ 3 comments… read them below or add one }

1 Stefanie Aufleger Januar 14, 2012 um 07:54 Uhr

Sehr geehrte Frau Hofstätter,

habe gerade Ihre Rezension über das reizende Mädchen gelesen.
Für eine Autorin ist es sehr schön, wenn beim Leser das ankommt, was über Worte versucht wurde zu vermitteln.

Bei Ihnen habe ich das Gefühl, dass Sie genau spürten, wo der Knackpunkt der Thematik liegt.
Danke für Ihre wunderbare Buchbesprechung.

Herzliche Grüße aus Konstanz,
Stefanie Aufleger

2 Manuela Hofstätter Januar 25, 2012 um 22:41 Uhr

hallo frau aufleger
danke für ihren kommentar welcher mich unheimlich freut! und ja, es ist angekommen und hat mich tief berührt! ich habe die buchbesprechung im lokalen blatt, wo ich einmal im monat eine rezension zu einem buch schreiben darf, in der februarausgabe veröffentlichen lassen.
liebe grüsse, manu

3 Liza Januar 30, 2012 um 04:03 Uhr

Liebe Frau Hofstätter,
danke für das Sensible und mein Dank fürs HINSCHAUEN
Liza Stein

Leave a Comment