Stef Stauffer / Steile Welt, Leben im Onsernone

by Manuela Hofstätter on 13. Februar 2013

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Was es bedeutet, dermassen abgelegen und in steiler Hanglage zu leben, davon erhalten wir eine recht eindrückliche Vorstellung durch die Bewohner des Onsernones. Schliesslich mussten die Talmenschen anno dazumal lange kämpfen, dass es eine Briefpostversorgung gab und kämpfen, das liegt ihnen bis heute im Blut, sonst könnten sie wohl gar nicht dort leben. Im Sommer, ja da ist das Postauto recht voll, Touristen sorgen dafür, im Winter aber kommt die Einsamkeit. Man ist gesellig, trifft sich zum Trinken und Plaudern, Informationen und Neuigkeiten verbreiten sich schnell. Es gibt die Exoten, die wählten diese Gegend für ihr Leben aus, sie werden einerseits dankbar aufgenommen von den Einheimischen und doch merken sie für immer, dass sie eben nie ganz echte Talmenschen sind. Kindheitserinnerungen sind oft karge aber auch von einfachem Glück durchzogene Bilder. Wie etwa auch diejenige eines jüngsten Sprosses und zudem leider recht klein gewachsenen einer Familie, der sich selbst zu helfen wissen musste gegen die grossen, welche ihn hänselten und plagten auf dem Schulweg. Der Lehrer brachte mit der Geschichte von David und Goliath die Wende im Leben des Buben, seine Steinschleudern fanden rasch den Weg zu den jüngeren und schwächeren Kindern und dies verfehlte die gewünschte Wirkung nicht. Wenn uns die Geschichte eines alten Talbewohners verrät, warum er sein Herz sein Leben lang nicht verschenken wollte, nachdem er als junger Bursche einen Bruder verlieren musste und damit verbunden seine erste Liebe in einem anderen Licht angesehen hat, dann fühlen wir mit und das Herz wird uns schwer. Nie vergessen konnte der inzwischen alt gewordene Mann, wie er seinen Bruder zerschlagen auffand und schliesslich mit Hilfe sogar selber geborgen hat, das Tal ist gefährlich, es verzeiht keine Fehltritte mancherorts. Wenn es stürmt im Onsernone, dann liebt man die steinernen Dächer ganz bewusst und ist dankbar, wenn sich das Wetter wieder beruhigt. Schon immer waren es harte Lebensbedingungen, welche das Tal an seine Bewohner stellte und das ist bis heute so geblieben und doch sind sie noch dort die Menschen und was für welche!

onsernone

Fazit: Leben im Onsernone
Was man der Autorin an Geschichten anvertraut hat, das hat sie in einer eindringlich schönen Sprache verpackt und mit ihren Gedanken und Eindrücken verbunden zu einem wertvollen Ganzen. Wir gewinnen einen tiefen, berührenden Einblick in das besondere Valle Onsernone, eine “Steile Welt”, und die Menschen, welche es schaffen dort zu leben und zu überleben, von denen geht eine Besonderheit aus, vergleichbar mit der Naturschönheit ihrer Umgebung, ganz und gar einzigartig!

Meine Wertung: 8/10

Stef Stauffer / Steile Welt, Leben im Onsernone
Verlag: Lokwort, Seiten: 200

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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