Stephan Lohse / Ein fauler Gott

by Manuela Hofstätter on 11. September 2017

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Nominiert für den Franz-Tumler-Literaturpreis 2017

Plötzlich ist da kein kleiner Bruder mehr, Jonas ist abrupt und unerklärbar verstorben, zurück bleibt er, Ben, elf Jahre alt und eine sehr traurige Mami. Ruth war Hans an einem Oktobertag im Jahr 1952 zum ersten Mal begegnet, sie hatten geheiratet, bekamen die beiden Jungs und gingen wieder auseinander. Hans hat nun eine andere Frau und lebt mit dieser in Frankfurt, weit weg von Ben und seiner Mutter in Hamburg. Während die Mutter versucht ihrer unüberwindbaren Traurigkeit entgegen zu halten, leidet Ben auf seine Art und Weise. Weihnachten denkt sich Ben, wird sicherlich ausfallen, aber nein, Mami hat unzählige rote Kerzen gekauft und sogar einen Tannenbaum, auch Geschenke gibt es und Ben ist sehr glücklich, dass er seine Mutter an diesem Abend gleich mehr als einmal zum Lachen bringen kann. Ben weiss sehr wohl, wie oft sie heimlich in ihrem Zimmer weint, er weiss aber nicht, dass Mami weiss, dass Ben heimlich in die Bibliothek geht, um dort Karl-May-Bücher zu lesen. Während die Mutter sich durch die Tage kämpft, wächst Ben heran wie alle Teenager, einfach mit seiner Geschichte, mit Besuchen am Grab von Jonas und den richtigen und weniger richtigen Freundschaften. Ben hat auch einen besten Freund, den Sohn der Französischlehrerin, welchem er schon einmal das Leben gerettet hat, zum Glück kann Ben schwimmen wie ein Delfin. Die Mutter muss auch einmal verreisen, Ben schickt sie derweilen zur Kur, um seine Lunge zu stärken, es ist für Ben eine Zeit mit neuen Freundschaften, einem Brand und einer schlimmen Erkältung. Als die Mutter erfährt, was Ben zugestossen ist, reist sie sofort zu ihm hin und holt ihn heim. Als Mami einmal schlimm krank ist, versorgt Ben sie liebevoll, auch wenn Ben Mami gebeten hat, ihn nicht immer direkt vor der Schule abzuholen, ist er doch stets eilig an ihrer Seite, immer wieder. Als sie einen Urlaub in Dänemark machen, erleben sie einige schöne Momente. Doch der Tod von Jonas ist immer präsent, dass der Vater mit seiner neuen Frau ein Kind bekommen wird, erfreut weder Ben noch seine Mutter, die Trauer ist nur wieder stärker, sie ist einfach nicht unterzukriegen.

Fazit: “Man kann die Geburt eines Kindes nicht feiern, wenn ein Kind gestorben ist.”
So steht der Satz im Zusammenhang zum ersten Weihnachtsfest nach dem Tod des Sohnes und Bruders in Lohses Roman, einem Roman über Trauer und Verlust, dem Leben damit und danach. Aber es ist auch ein Roman über mehrere Generationen in Deutschland. Die Sorgfalt, die Ben und seine Mutter sich entgegenbringen, ist beeindruckend, wir leiden mit ihnen und atmen in den wenigen, lichteren Augenblicken durch, bei jedem der Male, wenn es Ben gelingt, mit seiner sprudelnden Fantasie ein Lachen seiner Mutter zu erobern. Natürlich hat mir auch ganz besonders gefallen, wie Ben zwischen den Buchdeckeln Zuflucht findet und so in seiner Teenagerzeit ein mutiger Abenteurer wird, mit allem was das zugehört, wie etwa auch seinem ersten Kuss.

Meine Wertung: 7/10

Stephan Lohse / Ein fauler Gott
Verlag: Suhrkamp, Seiten: 336

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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