Susanne Gantert / Der Mädchenreigen

by Manuela Hofstätter on 27. Januar 2017

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Braunschweig im Jahre 1580, der reiche Kaufmann Lorenz Kale ist ein wichtiger Mann in der Gegend und ein geschätzter noch dazu. Doch da trifft für ihn eine Botschaft ein, die seinem liebenden Vaterherz arg zusetzt, seine Tochter Elise ist entführt worden. Vom Feuer speienden Drachen berichten die Leute, es gibt einige, die fest an dieses teuflische Untier aus den Wäldern glauben. Lorenz Kale gehört nicht zu den Männern, die Märchen glauben schenken, aber er macht seinen Einfluss geltend und setzt alles daran, dass seine Tochter gesucht wird. Der Herzog Julius von Wolfenbüttel beobachtet mit Missgefallen die zunehmendem Verbrechen in seinem Herzogtum, welche ungesühnt bleiben, da die Amtsleute kein kriminalistisches Gespür haben. Doch der Herzog setzt den Juristen Konrad von Velten offiziell mit der neuen Aufgabe ein, den verbrecherischen Taten nachzugehen, was diesen hoch erfreut, da ihn die trockene Juristerei im Kämmerlein sehr langweilt und er zudem schon einmal kriminalistisches Können unter Beweis gestellt hat. So macht sich von Velten zusammen mit einem Gehilfen auf die Reise. Dem Fall der entführten Kaufmannstochter, dem will er nachgehen, denn er hat noch von weiteren entführten Mädchen gehört. Die Mädchen weisen ausser ihrem zarten Alter und ihrer Schönheit keine Gemeinsamkeiten auf, brünette, blonde, braune und rote Haare haben sollen sie haben und ausser Elise alle aus ärmsten Verhältnissen kommen.
Verängstigt und im Dunkeln verharren die Mädchen, einer von ihnen, Laura, ist die Flucht gelungen, aber die Mädchen wissen nicht, ob Laura noch lebt. Elise wurde kurz darauf zu ihnen gebracht, offensichtlich dient sie dem Marshall als Ersatz für Laura, denn sie gleicht dieser und hat ebensolche blonde Locken. Der Marschall ist ein schöner, edler, aber gleichermassen grausamer Mann, sein Blick ist kalt, er hat Melusine angestellt, um den Mädchen Tanz zu unterrichten und sie zu kleiden und auszubilden. Melusine, wie die Mädchen diese hassen, zuckersüss ist ihre Stimme, wenn sie ihre Täubchen ruft, aber sie bereitet sie vor um entehrt zu werden, beschmutzt für den Rest ihres Lebens. Es gibt Männer, die lieben das Unschuldige, sie sind bereit viel zu bezahlen und zu vielem ja zu sagen, wenn sie ihrer verbotenen Leidenschaft frönen können. Der Marschall wird die Jungfrauen tanzen lassen, sie werden der Traum lüsterner und mächtiger Männer sein. Der Marschall hat geschickt agiert, einzig Elise, in der Not entführt, bereitet ihm Kummer, da man nach ihr sucht.
Laura lebt, sie hat sich die Haare kurz geschoren, verkleidet sich als Jüngling und hat die Erinnerung an das Vergangene bei ihrer Flucht verloren. Der Zufall will, dass sich ihr Weg und der des Ermittlers von Velten kreuzen, dieser nimmt den intelligenten Jüngling mit, denn sein Gehilfe ist leider nicht der hellste. Bald erkennt von Velten, dass er da ein junges Mädchen an seiner Seite hat und auch ihre Erinnerung kehrt nach und nach zurück. Können die Mädchen gerettet werden, bevor sie ins Verderbnis geraten?

Fazit: Unschuldige Jungfrauen, verdorbene Geschäfte.
Dieser historische Kriminalroman hat mich völlig in seinen Bann gezogen, der Hass auf Melusine und den Marschall sowie diesen verdorbenen Geschäftsstreich hat mich gepackt. Um Handelswege geht es da, Schifffahrtswege, viel Geld und Macht und die Männer, die sich wegen ihrer Verdorbenheit wegen kaufen lassen. Die Autorin schreibt so bilderreich, so intensiv, man sieht die Mädchen tanzen und man leidet mit ihnen. Aber zum Glück gibt es ja Konrad von Velten und Laura und noch ein paar andere starke Figuren. Die Autorin schreibt aus der Geschichte ihrer Wahlheimat Wolfenbüttel, sie stammt aus einem theologischen Hause, hat einen Pastor geheiratet und interessiert sich für Kirchengeschichte. Lesenswert!

Meine Wertung: 8/10

Susanne Gantert / Der Mädchenreigen
Verlag: Gmeiner, Seiten: 335

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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