Sybil Schreiber / Sophie hat die Gruppe verlassen

by Manuela Hofstätter on 28. März 2018

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Der Goldfisch Hoppel, der kein Hase sein darf, weil die Vermieterin keine Tiere mit Fell in ihrem Haus haben will, hat eine besondere Besitzerin und wir erfahren, was sie so besonders macht… / Eine Mutter sitzt mit ihrem kleinen Sohn am Tisch, sie hat eine ganz besondere Suppe gekocht, es ist die letzte solche Suppe, die sie kocht und wir erfahren die Geschichte der Suppe ebenso wie jene der Suppenschüssel, in welcher sie dampft. Wenn wir dieser Geschichte zuhören, tun wir es der Mutter nach, halten den Kopf gerade wie sie und versuchen auch, unsere Tränen auszubalancieren… / Sie geht nie mit Arbeitskollegen in eine Pause, aber dafür über Mittag ins Schwimmbad. Diese Routine, die braucht sie und dann begegnet sie dort ihm. Sie hat Sex erlebt, ja dies schon, gehört ja dazu, aber Liebe, Liebe liess sie nie zu, wusste auch nicht, wie oder was das sein soll. Nun freut sie sich, wenn er auch beim Schwimmen ist und sie nimmt allen Mut zusammen. Wird sie einen Schritt auf ihn zu wagen? / Der Pfleger bringt sein Buch zurück in die Bibliothek, sie fasziniert ihn, die Bibliothekarin. Er nimmt wieder ein Buch mit und ahnt ja nicht, wie akribisch genau die Bibliothekarin in ihm und in den Büchern lesen kann… / Jolande hat das Leben und die Liebe schwer zugesetzt, sie versucht es einmal mit Yoga und Yoga ist nicht so einfach, wie es klingt, es kann ganz schön ins Auge gehen… / Ein Schönheitschirurg, ein eitler, ein unmöglicher Mann, gerät an Frau Behrens und somit zu seinem wohlverdienten Lohn… / Aber wir haben ja noch gar nicht über Sophie gesprochen und nicht verraten, ob sich Winnetou über Haarshampoo freut und noch so viel mehr aus diesen unvergesslichen Storys habe ich hier nicht erwähnt… Lesen Sie! Sie werden es nicht bereuen!

Fazit: Über das ganz normale Leben ganz normaler Menschen!
Ich habe mich so wohlgefühlt in diesen Kurzgeschichten, ja Kurzporträts von Menschen, denn sie wurden mit grosser Empathie geschrieben, mit literarischem Können und wie ich finde, mit einer äusserst schönen, eigenen Sprache. In der Presse las ich immer davon, dass dieses kostbare Buch von den Menschen am Rand erzähle, von denjenigen, die Pech haben, denen, die das Leben nicht verwöhnt. Ja, es stimmt, da sind ungeliebte Kinder, Menschen mit einer Beeinträchtigung oder einer besonderen Begabung, ganz wie man das sehen will und oft ist da auch das Schicksal, welches in Sybil Schreibers Storys zuschlägt. Doch sind wir nicht mehrheitlich genau diese Menschen? Hier wird so lebensnah geschrieben, das ist eben schon die Frau Schreiber, die man von der bekanntesten Kolumne der Schweiz kennt und erkennt hinter diesem Buch, aber tatsächlich hat sie mich auch überrascht mit ihrer leisen Eindringlichkeit und ihrem Mut in diesen Texten. Eine grossartige Autorin lernt man da neu kennen, ein formidables Debüt!

Meine Wertung: 8/10

Sybil Schreiber / Sophie hat die Gruppe verlassen
Verlag: Salis, Seiten: 144

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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