Sylvain Prudhomme / Ein Lied für Dulce

by Manuela Hofstätter on 28. Mai 2017

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Westafrika, die Stadt Guinea Bissau, das ist die Heimat der legendären Band Super Mama Djombo. Sie machen Musik seit Jahrzehnten, Musik für Ihr Land, gegen das Regime, Musik gegen die Reichen an der Macht, gegen die Portugiesen, für das schwarze Volk, seine Freiheit und seine Kultur. Die Radiostationen spielen die Lieder der Band rauf und runter, Dulces unverwechselbare Stimme hat der Band noch mehr Beliebtheit verschafft. Sie treten plötzlich in der halben Welt auf, füllen Stadien, es ist ein heisses Leben. Der Gitarrist Couto und Dulce verbindet anfangs eine innige Liebe, doch dann hören sie die Worte von Osvaldo Chico Gomes, er klingt tatsächlich beinahe glaubwürdig, fast nach Hoffnung, manche mögen seine Lüge glauben. Couto kennt Gomes, er war während des Guerillakrieges unter seinem Kommando, er denkt nicht gerne an diese Zeit zurück, doch dann holt ihn die Erinnerung noch weitaus unliebsamer ein. Gomes sitzt im Publikum während eines Konzertes und er macht Dulce einen Heiratsantrag. Couto verliert seine grosse Liebe, Dulce heiratet tatsächlich den General, versichert allen, dass er sie aufrichtig liebe. Dulce verlässt die Band, auf der Hochzeit spielt Super Mama Djombo noch zu Ehren ihrer grossen Sängerin, während unter den Gästen auch feindlich Gesinnte die kritischen Texte mitgrölen, es ist ein abstruser Moment. Dulce und Couto begegnen sich später erneut kurz und Dulce informiert Couto über eine Sache, welche ihm das Herz endgültig erschüttert. Die Jahre ziehen ins Land, es ist stiller geworden um die Band, von der alten Garde sind viele in die weite Welt hinausgezogen, man vermisst diese in der Heimat schmerzlich, ruft sie meist nur an, wenn die Melancholie Höhepunkte erreicht und man über einen Todesfall berichtet. Dann im Jahre 2012, Couto ist gealtert, hat aber in Esperanza eine herrliche Geliebte an seiner Seite, erschüttert den Gitarristen die Nachricht von Dulces Tod so sehr, dass er völlig orientierungslos durch seine geliebte Stadt taumelt. Erinnerungen wachen auf, die Bandmitglieder, welche noch da sind, beschliessen, am Abend ein Konzert zu Ehren Dulces zu geben, bevor die Medien dann am nächsten Tag von ihrem Tod berichten werden. Gomes seinerseits plant am selben Abend einen Putschversuch. Die Band spielt und Dulces Andenken lebt auf!

Fazit: Pabia li ki no tchom! Weil es unsere Erde ist!
Musik mit einer politischen Botschaft, ein melancholisches Volk, eine Prise Afrika! Wir tauchen ein in eine Welt, die in der Ferne liegt, in eine andere Kultur, eine Kultur voller Musik, voller Melancholie und leisen Aufstandes. Sumpf und Meer, Abfallberge und dampfende Kochtöpfe, verschiedene Gerüche, Töne, das pralle Leben und die Musik wie die Liebe sorgen für einen unvergleichbaren Sound in diesem Roman. Die Band gab und gibt es bis heute, einzig Coutos und Dulces Geschichte hat der Autor dazu erfunden um seinen prächtigen, sinnlichen Roman zu erschaffen. Die Texte in Kreol und das ferne Andersartige, die faszinieren uns!

Meine Wertung: 7/10

Sylvain Prudhomme / Ein Lied für Dulce
Verlag: Unionsverlag, Seiten: 224

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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