Thomas Röthlisberger / Zuckerglück

by Manuela Hofstätter on 27. Dezember 2010

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Rose und Johann, seine Eltern, es sind normale Eltern, das redet er sich immer wieder ein, sie schlagen ihn nicht und er weiss; viele Kinder in seinem Alter, besonders Buben, werden geschlagen. Aber verbale Schläge tun ihm auch weh und er ist doch schon genug gestraft, er mit seinem schmächtigen Körper, er der in der Badeanstalt fast ertränkt wird vom dicken Lehmann, immer ist er der Gejagte. Wenn er lesen kann, oder bei seiner Grossmutter ist, dann ist die Welt am schönsten. Die Grossmutter hat faltige Haut, aber sie schiebt ihm jede Menge roter Zuckerbeerenbonbons in den Mund, dieses süsse Gefühl im Mund, es ist das höchste überhaupt. Sehr selten kann er sich auch selber am Kiosk etwas kaufen, etwa Colafrösche, Carambar oder Fünfermocken. Aber das Leben ist leider selten süss, seine Mutter hat sich ins Bett gelegt und ist kaum mehr dazu zu bewegen, dieses wieder zu verlassen. Es ist so, weil sie ein Baby verloren hat, es soll ein Mädchen gewesen sein und darum ist sie untröstlich. Also wächst er ohne Schwester auf, nur mit seinem Bruder. Müssen sie sich schlecht fühlen, bloss weil sie Jungs sind? Einmal fährt der Vater mit ihnen in die Berge, es bleibt ein unvergesslicher Tag. Doch als der Vater stirbt, steht die Mutter auf und auch aus dem Buben muss langsam ein Mann werden, der seinen Weg findet.

Fazit
In einer knappen, eindringlichen Sprache beschreibt uns Thomas Röthlisberger die Kindheit eines Buben in den 50er und 60er Jahren in der Schweiz. Es ist alles andere als eine süsse Geschichte, vielmehr berührt sie durch eine leise Melancholie. Da ich meine eigene Kindheit bei meinen Grosseltern verbrachte, war mir manches ganz eigenartig vertraut, nie vergesse ich, wie oft meine Grossmutter mir ebendiese roten Zuckerbeerenbonbons in den Mund schob. Seltsam, wie unbeholfen so Trost gespendet werden sollte, dem Buben in Röthlisbergers Roman ebenso wie mir… Ich muss unbedingt einmal nachforschen in der Migros, ich glaube fast, diese unsäglich süssen Bonbons sind immer noch zu haben und das wiederum fände ich irgendwie tröstlich!

Meine Wertung: 7/10

Thomas Röthlisberger / Zuckerglück
Verlag: Cosmos, Seiten: 119

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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