Thomas Vaucher / Winterhelden

by Manuela Hofstätter on 18. August 2013

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Viel erlebt hat er, der Sturmhans, aber der Verlust seines besten Freundes hat ihn aus der Bahn geworfen, ein Säufer ist er seit fast einem Jahr, eine traurige Figur. Aber jetzt ist dieser Etterlin mit einem Angebot an ihn herangetreten, freie Kost und freie Getränke, aber dafür soll er dem Chronisten die Geschichte des tragischen Kriegshelden Frischhans Teiling erzählen. So erzählt also der Sturmhans über seinen besten Freund, Frischhans Teiling. Teiling war es, welcher ihm das Leben rettete, als er des Mordes angeklagt war, einen Zürcher erstochen zu haben, das warf man ihm, dem Sturmhans vor, und es führte dazu, dass er, Teiling und eine Handvoll andere Krieger auf eine weite Reise gingen um den wahren Mörder zu stellen. Eine heisse Spur nach zwei Flüchtigen führte die Männer über den Monte Sancti Gutardi. Schnee, Eis und fast dem Tod begegneten sie bei der Passüberquerung. Doch dann ging die Sonne auf für die beiden Freunde, die Sonne hiess Maria Giudici und sie sprach sogar ein wenig deutsch. Marias Vater, Wirt im Livinental, hasste die Eidgenossen aus persönlichen Gründen, Maria aber mochte Teiling wie Sturmhans gerne und verriet ihnen, dass die beiden Flüchtigen im Hause logierten. Doch bei der Festnahme kam es zuerst zu einem schlimmen Zwischenfall, Maria wurde von den Flüchtigen entführt, sie konnte sich zwar befreien, aber es kam zum Schlimmsten. Teiling und Sturmhans sollten Maria schon bald erneut sehen, denn erneut mussten sie den gefährlichen Pass überqueren und nach Yrnis ziehen mit vielen weiteren Kriegern. Gemeinsam mit den Livinern stellten sie sich dann den anrückenden Lombarden mit ihrem riesigen Heer entgegen. Sie waren bloss sechshundert Mann gegen die riesige Übermacht von zehntausend Mann. Es schien ein hoffnungsloses Unterfangen überhaupt in die Schlacht zu ziehen, aber Teiling wurde ihr Anführer und er wusste die Männer zu begeistern. Das Unmögliche wurde wahr, sie gewannen die Schlacht. Aber die Geschichte der Freundschaft zwischen Teiling und Sturmhans, die ging noch weiter. Hat ihn Sturmhans nun abstürzen lassen? Doch durch das Erzählen des Geschehenen kommt Sturmhans wieder zu sich und er weiss genau, was er zu tun hat, das ist er seinem Freund schuldig.

Fazit: Schweizer Heldenepos, Geschichte und Fiktion gekonnt verknüpft!
Die Schlacht von Giornico (Yrnis) im Jahre 1478 ist nicht so bekannt wie andere Schlachten der Eidgenossen. Dabei ist diese Schlacht etwas ganz Einzigartiges gewesen, allein schon die Tatsache, dass sechshundert gegen zehntausend Krieger gekämpft haben und die zahlenmässig zwar unterlegenen, aber cleveren und wilden gewannen, das ist schon etwas ganz Besonderes. Schweizer Geschichte, anschaulich in einen Roman verpackt, mit exakten, echten Fakten und vielem Wissen, einem kleinen Schuss Fiktivem, das ist gelungen und es ist ein spanendes Heldenepos entstanden. Die Liebe zur Geschichte, sowie auch die zum Geschichten erzählen, diese Lust und dieses Können bietet uns der Autor Thomas Vaucher.

Meine Wertung: 8/10

Thomas Vaucher / Winterhelden
Verlag: Stämpfli, Seiten: 210

 


 
Neun Fragen an Thomas Vaucher

thomas-vaucherManuela Hofstätter: Thomas, du bist ja, wie ich auf Deiner Autorenhomepage (thomasvaucher.ch) entnehmen kann, überaus vielseitig. So einen Lehrer wie dich zu haben, das ist sicherlich spannend, bist du ein “mittelalterlich” strenger Lehrer?
Thomas Vaucher: Ich glaube schon, dass ich streng bin, ich würde aber nicht so weit gehen, zu sagen, dass ich “mittelalterlich” streng bin. Ich versuche in erster Linie konsequent und gerecht zu sein und die abgemachten Regeln und Konsequenzen durchzuziehen. Von mittelalterlichen Strafen sind wir heute aber zum Glück weit entfernt (obschon wir in unserem Schulhaus, das früher übrigens ein Schloss war, einen original erhaltenen alten Sandsteinkeller haben, der durchaus als Folterkeller und Gefängnis taugen würde, aber Spass beiseite ;-))

So, nun zum Wesentlichen; Fantasy und Geschichte, also die Vergangenheit, das hat dich schon seit langem immer interessiert. Dein neuer Roman “Winterhelden” erzählt von einer grandiosen Schlacht der Eidgenossen, ich muss gestehen, ich habe noch nie von dieser Schlacht von Giornico gehört, wie bist du genau darauf gekommen?
Ich habe bis vor drei Jahren auch noch nie davon gehört. Früher, so erzählte man mir später, wäre das noch Schulstoff gewesen, aber heute ist das leider nicht mehr im Lehrplan drin. Ich bin per Zufall draufgestossen, als ich für ein anderes Projekt recherchierte. Da bin ich auf einer Homepage gelandet, wo alle mittelalterlichen Schweizer Schlachten aufgelistet waren. Die Schlacht bei Giornico hat meine Aufmerksamkeit sofort erregt und es war um mich geschehen. Ich wusste, darüber muss ich einen Roman schreiben.

Deine Figuren im Roman sind fast alle reale Personen gewesen nur einige fiktive Charaktere hast du entwickelt um deine Geschichte schreiben zu können. Wie lange dauerte deine Recherchearbeit für “Winterhelden”?
Das ist im Nachhinein schwierig zu sagen, denn die Recherche-Arbeit ist bis zur Abgabe ins Korrektorat des Verlages nie abgeschlossen. Bei mir geschieht das parallel zum Schreiben. Ich habe anfangs 2011 mit den Recherchen begonnen, den Plot erarbeitet und die ersten Seiten geschrieben, dann aber das Projekt für eine Zeitlang auf Eis gelegt, weil mir zwei Aufträge zum Schreiben von Musical-Drehbüchern ins Haus flatterten. Mitte 2012 habe ich die Recherche- und Schreibearbeit dann wieder aufgenommen, die Reise über den Gotthard gemacht (die im Buch vorkommt), eine Woche im Tessin an den Originalschauplätzen verbracht (Giornico, Bellinzona etc) und dann während einem halben Jahr intensiv an dem Buch gearbeitet. Aber auch da war die Recherchearbeit mein ständiger Begleiter. Als ich beispielsweise eine Schifffahrt über den Vierwaldstättersee beschrieb, musste ich recherchieren, was für Boote damals auf dem See fuhren und wie schnell sie den See überquerten. Jedes Ereignis, das damals anders abgelaufen ist als heute, musste recherchiert werden.

Die Liebe und die Freundschaft, diese Themen haben auch in “Winterhelden” ihren festen Wert und Einfluss. Denkst du, dass die alten Eidgenossen mehr Ehrgefühl hatten als wir Schweizer im Heute?
Nein, das denke ich nicht. Einerseits kann man sowas nie pauschalisieren. In jeder Zeit gibt und hat es ehrlose und ehrbare Männer gegeben und andererseits muss man natürlich daran denken, dass ein Buch und dessen Figuren eine Geschichte erzählen und damit Geschichte spannend ist, muss man polarisierende Figuren haben. Figuren mit Ecken und Kanten, Figuren, die eben besonders ehrenvoll sind oder eben gar nicht.

Für mich ist dein Roman ein Buch für alle Lesegruppen. Natürlich die Männer, vielleicht werden sie beim Lesen wieder ein klein wenig heldenhafter, die Frauen, Wissen ist Macht und unsere Schweizer Geschichte ist schlicht faszinierend, zudem bekommen wir ja auch eine Liebesgeschichte geliefert. “Winterhelden” darf eigentlich auch in keiner Schulbibliothek fehlen. Möchtest du dem etwas hinzufügen? Für wen hast du “Winterhelden” geschrieben?
So egoistisch das klingen mag, aber ich habe Winterhelden in erster Linie für mich selber geschrieben. Und ich persönlich denke, dass dies auch der einzige gangbare Weg ist, ein gutes Buch zu schreiben, hinter dem man voll und ganz stehen kann.
In zweiter Linie habe ich das Buch für alle historisch Interessierten und besonders für alle, die an unserer Schweizer Geschichte interessiert sind, geschrieben. Und in dritter Linie für meine Helden, wer das ist, kann man im Buch nachlesen … ;-)

Wenn du eine Figur aus deinem Roman spielen dürftest in einem Film oder Theaterstück, wen möchtest du spielen?
Ich könnte mich natürlich für beide Hauptpersonen (Sturmhans und Teiling) begeistern, wobei Teiling eher meinem Wesen entspricht als der Sturmhans. Vielleicht gerade deswegen würde mich der Sturmhans noch etwas mehr reizen, weil er völlig anders ist, als ich es bin.

Was war schöner im Mittelalter, als im Heute und was wünschst du dir für die Zukunft?
Mit dieser Frage tue ich mich sehr schwer, ich liebe das Mittelalter aber ich fühle mich im Heute pudelwohl und könnte und möchte auf all den Luxus, den wir heute haben, nicht verzichten.

Aus meiner Sicht war schöner, dass die Landschaft und die Natur noch unverbauter und wilder waren als heute (gerade in unseren Breitengraden), dass die Luft noch nicht durch Abgase verpestet wurde und man wohl auch hierzulande durch pure Natur streifen konnte, wie man das heute nur noch in fernen Ländern kann. Aus beruflicher Sicht gesehen wünschte ich mir, dass ich noch viele weitere Bücher schreiben und veröffentlichen darf und dass es mir irgendwann gelingen möge, meine freiberufliche schriftstellerische Tätigkeit auf 50% ausbauen zu können.

Schreibst du weitere historische Romane, dürfen wir uns auf neues Lesefutter freuen?
Nach einem historischen Roman brauche ich jeweils eine Recherche-Pause. Das war schon bei meinem letzten historischen Roman so (danach habe ich den Phantastik-Roman “Hutätä” geschrieben). Deshalb schreibe ich nun gerade an einem Mystery-Thriller (200 Seiten sind bereits geschrieben). Klar muss man auch da Dinge recherchieren, aber nicht so viel wie bei einem historischen Roman. Allerdings wird es ziemlich sicher auch weitere historische Romane von mir geben, der Plot für den nächsten steht zumindest schon.

Findest du neben all deinen Engagements überhaupt selbst Zeit zum Lesen? Wenn ja, was liest du aktuell für Bücher?
Leider immer weniger. Lesen ist eines meiner grössten Hobbys, aber der grösste Teil meiner Freizeit, den ich nicht mit meiner Familie verbringe, geht im Moment fürs Schreiben drauf. Dennoch versuche ich mir dann und wann Zeit zum Lesen zu nehmen. Mein letztes gelesenes Buch war Dan Browns “Inferno”. Angefangen habe ich momentan George R R Martins neustes Buch “Drachenreigen” (Des Lied von Eis und Feuer neuster Teil), “Das Buch des Todes” von Anonymus und Bud Spencers “In achtzig Jahren um die Welt. Der zweite Teil meiner Autobiografie”. Und auf meinem Nachtisch warten unzählige weitere Bücher darauf gelesen zu werden (z.B. Bernard Cornwells “Die Galgenfrist”, Wolfgang Hohlbeins “Pestmond”, Axel S. Meyers “Das Lied des Todes”, Guillermo del Toros und Chuck Hogans “Die Nacht”, Hanns-Albert Schrolls “Der Zufallsmörder” u.a.)

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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