Tijan Sila / Tierchen unlimited

by Manuela Hofstätter on 8. Mai 2017

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Er hat Eltern, die im akademischen Bereich tätig sind und welche in Sarajevo der 90er Jahre zunehmend keine Zukunft mehr sehen in ihrem geliebten Land. Immer wieder flammt der Krieg auf, ein Ende dessen ist nicht in Sicht und die Waffenruhe ist immer eine unstabile Angelegenheit. Während Jugendliche in anderen Teilen der Welt jederzeit an ihren Computern surfen können, kann er dies nur sehr selten. Die Stromversorgung bricht immer wieder zusammen, vier Stunden Strom am Tag gelten schon als Luxus, sich durch eine zerbombte Stadt zu bewegen und nie zu wissen, ob man lebendigen Leibes wieder heimkehrt, das ist ein schrecklicher Zustand. Auch Hunger gehört zu den Entbehrungen des Kriegsalltages, die Leute sind mager, Hilfslieferungen erreichen die Stadt höchst selten, sogar das rote Kreuz kann wenig verrichten. Es sind US-Soldaten, welche Nahrungspakete abgeben, diese tauschen, etwa gegen einen begehrten Comicband. Und die Adventisten, die bringen einigermassen eine Hilfestellung zustande, darum arbeitet der Vater dann sogar für diese christliche Freikirche. Doch im Sommer 1994 flüchtet die Familie nach Deutschland, er muss in der Schule zurechtkommen, der Gewalt jedoch, der begegnet er auch hier, eine grosse rechtsradikale Szene ist vorhanden. Er aber hat eine erste Liebe, Sarah heisst sie und ist ein Muskelpaket, sie bringt ihm das Ringen bei und nimmt in mit ins Fitnesscenter, er soll eine Chance haben, wenn er dem ersten Rassisten gegenübersteht. Doch ausgerechnet in einer Bande von solchen Rechtsextremisten ist er dann auch involviert, und merkt nicht, dass er mit einer Frau ins Bett gestiegen ist, die beim Verfassungsschutz arbeitet und undercover ermittelt. Es wird ungemütlich für ihn, der doch immer nach aussen den “Braven” abgibt. Doch zum Glück hat er ja immer noch Kontakt mit Sarah, welche bei der Polizei arbeitet. Wird sie ihn rausreissen können aus seiner Misere?

Fazit: Sarajevo, eine Kindheit in Kriegszeiten, ein Überleben in Deutschland.
Der Autor, heute auch als Lehrer in einer Berufsschule in Deutschland tätig, stammt selber aus Bosnien. Sein Roman rüttelt auf und berichtet von einer harten Kindheit zu Kriegszeiten in Sarajevo, zugleich aber vernehmen wir auch von einem Protagonisten, der dann aus seiner Heimat mit seiner Familie nach Deutschland flüchtet und nach aussen hin den braven Kerl gibt, aber in Wahrheit ein veritabler Kleinganove wird. Ein Jugendbuch, das packend geschrieben ist, gar Krimiqualitäten hat und etliche wichtige Themen für jugendliche Erwachsene im Heute liefert.

Meine Wertung: 8/10

Tijan Sila / Tierchen unlimited
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, Seiten: 224

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