Tom Hillenbrand / Rotes Gold

by Manuela Hofstätter on 19. April 2012

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Xavier Kieffers Leben ist durch seine Liebe zur grössten und legendären Gastro-Kritikerin etwas aus den Fugen geraten. Xavier mag es gerne schlicht und gut, alles Pompöse ist ihm zuwider, darum hat er sich auch von der Spitzengastronomie abgewandt. Aber er schätzt an seiner Liebsten, dass sie eben privat so ganz und gar normal geblieben ist. Ab und zu kommt es aber zu einem Termin, welcher eine Herausforderung darstellt, so wie jetzt wo sich Xavier der Einladung des Bürgermeisters von Paris nicht entziehen kann und an der Seite seiner Liebsten steht. Der Bürgermeister lädt zu einem ganz speziellen Genuss ein, der wohl berühmteste europäische Sushimeister Mifune wird für die erlesene Gästeschar ein Überraschungsmenü kredenzen. Die Überraschung lässt nicht lange auf sich warten, bereits beim Zubereiten der Vorspeise bricht der Meister zusammen und stirbt kurz darauf im Spital an einer Fischvergiftung. Die Bestürzung ist gross und der Bürgermeister persönlich bittet Kieffer um Hilfe und zieht ihn ins Vertrauen, dass er der Polizei nicht vertraut und weiss, dass seine politischen Gegner ihn gerne vor den Wahlen scheitern sehen würden. Tatsächlich gerät der Bürgermeister ins Visier der Kritiker, die mondäne Party, welche er da geschmissen hat, stösst auf Unverständnis und der tragische Zwischenfall macht alles nur noch schlimmer. Also beginnt Xavier auf eigene Faust zu ermitteln, bald stösst er auf das Thema Fischhandel und die Tatsache, dass sich der Preis für den roten Thunfisch durchaus in der Höhe befindet, in welcher über Leichen gegangen wird. Der offensichtlich ermordete Mifune hatte sich seine Finger wohl im Fischhandel verbrannt, als er erkannte, wo er hineingeraten war, war das sein Todesurteil. Bald muss Kieffer erkennen, wie gefährlich dieser Fall ist und er kriegt eine richtige Wut im Bauch und recherchiert um so verbissener weiter. Offenbar existiert eine dubiose Thunfischfarm, welche es gegen alles Wissen zustande gebracht hat, Thunfisch zu züchten und gross zu ziehen. Kieffer reist nach Italien, trifft auf den legendären traditionellen Thunfischfang, welcher im Heute durch die Überfischung der Meere eher nur noch eine Touristenattraktion darstellt und auf die reichsten und gefährlichsten Leute, die er in Süditalien kennenlernen kann. Ob das gut ausgehen kann für Kieffer?

Fazit: Der neue Hillenbrand, oder wie teuer uns Fisch zu stehen kommen kann.
Der zweite Fall mit dem luxemburgischen Koch Xavier Kieffer und dessen Freundin der allseits bekannten Gastro-Kritikerin aus Paris ist erneut ein echter Glücksfall. Dieser Krimi ist schlicht köstlich, brisant und dazu noch lehrreich. Einerseits läuft einem beim Lesen das Wasser im Munde zusammen und man kriegt sehnsüchtig Lust auf manche Speisen, dann aber hintersinnt man sich fast und ekelt sich angesichts schauriger Tatsachen aus dem Bereich der Lebensmittelindustrie und deren Machenschaften. Also Unterhaltung und Bildung in bester Harmonie, frisch und garantiert gesundheitsfördernd, geliefert von Tom Hillenbrand.

Meine Wertung: 9/10

Tom Hillenbrand / Rotes Gold (Ein kulinarischer Krimi)
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, Seiten: 346

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Manuela Hofstätter April 20, 2012 um 07:43 Uhr

Oishikunai oder zehn Dinge, die Sie über Sushi nicht wissen wollten.
Von Tom Hillenbrand.

http://www.netzfundbuero.de/2012/03/02/oishikunai-oder-zehn-dinge-die-sie-uber-sushi-nicht-wissen-wollten/

2 Renate Mai 1, 2012 um 21:01 Uhr

Durch erfreuliche Umstände hier gelandet, freue ich mich, hier gelandet zu sein. Ich bin permanent auf der Suche nach “guten” Büchern. Es gibt zwar viele davon, aber von vielen weiß “man” wenig bis gar nichts. Weil sie im Verborgenen blühen. Denn nicht jedes Buch, was auf einer Bestsellerliste landet, verdient meine Anerkennung – im Gegenteil.

Dann wiederum entdecke ich – per glücklichem Zufall – ein Buch wie “Die Wand”. Eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe.

Ich danke dir ganz herzlich für die vielen und wunderbar formulierten Buchbesprechungen. Ich werde mir die Freiheit nehmen, nach der Lektüre meine Meinung hier zu hinterlassen.

Herzliche Grüße aus Bayern in die Schweiz – von Renate

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