Tuomas Kyrö / Der Grantige

by Manuela Hofstätter on 14. November 2017

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Ich bin ja so grantig geworden. So beginnt der finnische, alte Protagonist seine Texte immer, und diese haben es in sich. Wenn der Grantige loslegt und seine Gedanken und seine Wahrheit über seine Umgebung und die Menschen vom Stapel lässt, dann lesen wir gebannt. Der Grantige will keine glitzernde Valentinskarte von seinen Enkelkindern, dieser Tag ist eine Lüge, er will nicht der gütige, süsse Opa sein, seine Schwiegertochter soll ihn nur ein wenig fürchten, ebenso seine Enkelkinder. Die Menschen sind hässlich und zu fett geworden, obwohl sie diese unsäglich ekelhaften Lightprodukte fressen, welchen man fast nicht mehr entkommen kann, denn der ganze Schlamassel entziffert sich im Kleinstgedruckten. Diese Schutzgifte in den Nahrungsmitteln, nehmen wir da etwa das deutsche Toastbrot, die überleben einen Orkan und einen Weltenbrand, mindestens! Und die Überlebenden und die Ratten können sie dann immer noch einwandfrei konsumieren. Eltern in der heutigen Zeit, die spinnen total mit ihrer Vergleicherei, dem ganzen Schrott, den die ihren Kindern kaufen. Diese Eile, die die Menschen immer haben, sie haben keine Zeit mehr. Der Grantige fährt so schnell Auto, wie man fahren soll, das ist aus guten Gründen so ausgeschildert, doch die Raser, die verstehen das nicht, diese Idioten, das Auto ist kein Büro und keine Schminkstube, verflixt noch mal. Der Grantige vermisst das Prinzip der Mithilfe, er hilft einem Nachbar, selbst dann, wenn er diesen nicht leiden kann, denn die Welt wäre eine andere, wenn die Mithilfe selbstverständlich wäre. Doch die Nachbarn kennen sich nicht mehr, haben Angst voreinander, verdächtigen sich gegenseitig übler Dinge, diese Welt spinnt doch. Der Grantige, er scheitert auch mal in seinem Alltag, seine Frau und er hatten eine strikte Trennung ihrer Arbeitsbereiche, er putzte das Auto, sie das Haus, jetzt ist er alt und sollte plötzlich das Doppelte können. Er versucht sich am Fensterputzen, eine herrliche Aktion zumindest für uns Leser, für den Grantigen ab sofort ein Tabuthema. Als ihm der Hausarzt den Fahrausweis entzieht, da legt der Grantige so richtig los und das ist gut, unglaublich gut!

Fazit: Mehr Grantige für diese Welt, bitte!
Dieser Roman um den grantigen Achtzigjährigen, der trifft so viele Nägel auf den Kopf, das ist beste Lektüre, äussert heilsam zu lesen in der heutigen Zeit. Unser Protagonist ist plötzlich alleine, er teilt uns seine Meinung mit, seine Befindlichkeit, seine Lage zur Nation und die hat mich wie Balsam umhüllt, zum Lachen gebracht, zum Denken und zur Lust zurück, auch wieder mehr grantig sein zu wollen. Ein absoluter Höhepunkt, dieses Buch!

Meine Wertung: 9/10

Tuomas Kyrö / Der grantige
Aus dem Finnischen übersetzt von Stefan Moster
Verlag: List, Seiten: 176

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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