Urs Faes / Raunächte

by Manuela Hofstätter on 10. November 2018

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Nach so vielen Jahren kehrt Manfred zurück in den Schwarzwald, seine Heimat, die zugleich mit so viel schmerzhaften wie auch mit glücklichen Erinnerungen auf ihn einbricht. Als sie Kinder waren, er, der ältere Bruder, da waren die Raufereien zwischen ihm und dem jüngeren Sebastian eine normale Begebenheit unter Brüdern und die Welt war in Ordnung. Doch dann geschah das Unglück, die Eltern übergaben den Hof nicht ihm, so wie es sein sollte, nein der jüngere trat das Erbe an. Der Bruderzwist war angerichtet, dass er so erbittert viel zu weit führen würde, ahnte da keiner. Aber man muss doch den Älteren auch verstehen, Manfred konnte den Entscheid der Eltern nicht nachvollziehen, und als ob dies alles nicht schon genug gewesen wäre für seine gekränkte Seele, verliess ihn auch noch seine geliebte Minna. Minna wurde Sebastians Frau, Manfred zerbrach, wie nur konnte das passieren? Er tat das Falsche im Erbkrieg, wurde erneut durch den Verlust seiner grossen Liebe bestraft, dies war zu viel, er kehrte der Heimat den Rücken zu und verfluchte seinen Bruder. Tatsächlich verfolgte das Pech Sebastian, alles verlor er, auch Minna starb. Manfred erscheint nicht zur Beerdigung, zu tief sitzt der Schmerz. Jetzt sind genug Jahre vergangen, er ist in den Raunächten zurückgekehrt, in der Kälte und im Schnee hofft er, sein Brief möge seinen jüngeren Bruder erreicht haben, hofft, dieser werde ihm sein Gehör schenken, ihn aufsuchen, doch der Bruder bleibt fern. Im Wirtshaus im Schwarzwald halten die Erinnerungen Einzug, leben die alten Geschichten auf und die Geister leben auf wie eh und je. Es sind die Raunächte, wer weiss schon, was die Geister jetzt vorhaben?

Fazit: “Was war geschehen in seiner Abwesenheit? Was hatte sie ineinandergeschmiegt?”
Ein erbitterter Bruderzwist im idyllischen Schwarzwald, Erbstreit allein, das wäre schon genug, aber dann entscheidet sich die grosse Liebe des älteren Bruders noch für den jüngeren und zieht mit diesem auf den Hof. Jahre später, um die Tage des Jahreswechsels, den sogenannten Raunächten, kehrt der reuige, grosse Bruder zurück, auf der Suche nach Versöhnung und Vergebung vielleicht, doch wird der jüngere Bruder Sebastian kommen? Die Kindheit, die Erinnerungen und der Aberglaube bei den Menschen im Schwarzwald, er lebt im Wirtshaus auf, auch heute ungebrochen. Die eindringliche Erzählung von Urs Faes ist in einer äusserst stimmungsvollen Sprache geschrieben, wir erleben sie mit, die kalten, schneereichen Raunächte und wir erschaudern. Kann es Vergebung, eine Annäherung geben zwischen den zerstrittenen Brüdern, oder behalten die alten Geister der Vergangenheit das Zepter in der Hand? Ich bin tief bewegt von dieser Erzählung von Urs Faes, zu dessen stillen Bewunderinnen ich mich zähle. Zudem weiss ich diese Raunächte in ihrer tieferen Bedeutung zu schätzen und spreche hiermit mein grosses Dankeschön an den Autoren Urs Faes aus!

Meine Wertung: 8/10

Urs Faes / Raunächte
Mit wunderschönen Illustrationen der Künstlerin Nanne Meyer
Verlag: Insel, Seiten: 84

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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