Urs Richle / Das taube Herz

by Manuela Hofstätter on 10. Dezember 2010

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Jean-Louis Sovary , ein Junge aus dem Schweizer Jura des 18. Jahrhunderts, erfreut das Herz seines Vaters nicht, denn er will nicht in die Fussstapfen des mit Holz arbeitenden Vaters treten sondern hat immer nur eine Leidenschaft, die Mechanik, am allerliebsten in der Uhrmacherei. Diese Besessenheit des Jungen bringt den Vater dazu, ihn ins Jesuitenkollegium zu stecken. Aber Jean-Louis Wille ist stärker als alles andere und so kann er schliesslich als junger Mann bei einem Meister mit dubiosem Atelier in Genf als Fälscher seiner Faszination nachgehen und die besten Uhrwerke weit und breit herstellen. Doch das Schicksal hält noch so manche Hürde bereit für den grossen Mechanikus. Der berühmte französische Orgelbauer Montallier schafft es, Jean-Louis in Gefangenschaft zu nehmen, er kerkert ihn in seinem Pariser Keller ein, inmitten unzähliger Maschinen und Automaten. Doch diese Gefangenschaft muss nicht nur Sovary durchleben, nein auch ein völlig verstörtes, spindeldürres Frauenzimmer, namens Ana de la Tour. Ana ist ein ungeschlagenes Schachgenie ihrer Zeit. Das seltsame Paar in Gefangenschaft des Orgelbauers soll diesem einen Automaten erbauen, mit welchem er den weltberühmten Schachtürken des Baron Wolfgang von Kempelen schlagen will um dann zu beweisen, dass diese Automaten nur eine Täuschung sind und ohne den Menschen den sie in ihrem Inneren verbergen keine Intelligenz besitzen können. Ein Wettlauf ums Überleben beginnt für Ana und Jean-Louis und sie hoffen, dass sie das Unmögliche erreichen werden um wieder in Freiheit leben zu können.

Fazit
Ein ungemein elegant und fesselnd geschriebener Roman um zwei ganz aussergewöhnliche (fiktive) Figuren im 18. Jahrhundert, inmitten des rasend schnellen Fortschritts in der immer komplexeren Mechanik der Apparate und Maschinen. Aber auch einige belegte historische Fakten, wie etwa der “Schachtürke” des Baron von Kempelen oder etwa Teile der Entwicklung der Uhrmacherei in der Schweiz sind äusserst gelungen dargestellt von Urs Richle. Ein ganz besonderer historischer Roman, ich kann ihn nur wärmstens empfehlen! Besonders Freude habe ich an der etymologischen Entdeckung, dass das Wort “getürkt” tatsächlich zurückzuführen ist auf den Baron und dessen Maschine! Wissenswertes zum Roman: www.ursrichle.ch

Meine Wertung: 8/10

Urs Richle / Das taube Herz
Verlag: Knaus, Seiten: 348

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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