Vanessa Sonder & Patrizia Hausheer / Was soll das alles

by Manuela Hofstätter on 28. Dezember 2018

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Vanessa und Patrizia treffen sich oft, eigentlich meistens in einer Bar, so sind auch diese gesammelten Bargespräche für ihr Buch entstanden. Trocken erzählen sie also schon mal doppelt nicht, die beiden Philosophinnen, und so entstehen die Gespräche auch schon mal fast im Rausch. Die Kindheit zum Beispiel ist von immenser Wichtigkeit für den Rest unseres Lebens, in der Kindheit interessierte sich die eine Freundin immer schon für die Alten, denn dort glaubte sie viel über den Sinn des Lebens herausfinden zu können. Heute dreht sich ja viel um das Thema Selbstverwirklichung, was steckt wirklich dahinter, was tun wir nur für uns selbst, können wir das überhaupt, etwas tun, nur für uns, ohne dessen Wirkung im Kontext zu anderen Menschen zu betrachten? Warum haben wir Schuldgefühle, wenn wir denken, wir täten etwas egoistisches? Gibt es das überhaupt, das Ego? Wie sieht es aus mit unseren Talenten, unserer Berufung, können wir darin aufgehen, ohne die Anerkennung der anderen Menschen? Was tun wir eigentlich, weil wir es wirklich wollen, was wohl zur Zurschaustellung? “… und der Individualismus ist längst zum Mainstream verkommen. Die, die sich von der Masse abheben wollen, müssen sich heute was anderes als Individualismus einfallen lassen!”. Wenn die beiden Freundinnen den Rausch suchen, um das wahre Selbst zu definieren, dann bekommt man sogleich Lust, es ihnen gleich zu tun und wenn sie erzählen, wie man sich fühlt, wenn man bei einem Vorstellungsgespräch die Frage: “Wer sind Sie? Erzählen Sie von sich!”, gestellt bekommt, fühlt man mit, denkt nacht und lacht später mit den beiden Frauen. Selbst über den Tod und die Endlichkeit des menschlichen Daseins wird philosophiert, ehrlich und immer achtungsvoll, mit Humor und ihren doch auch zuweilen sehr unterschiedlichen Sichtweisen und Ansichten bereichern uns diese Gespräche enorm. Die Liebe, was ist eigentlich die Liebe? Zu Lieben heisst auch Zeit haben für Menschen, die uns wichtig sind, für die richtigen Bücher, Zeit haben, um über das Leben nachzudenken … warum nicht mit diesem reizvollen, anregenden Buch?

Fazit: Rausch und Tiefgründigkeit – mit zwei Philosophinnen ins neue Jahr!
Diese beiden Frauen haben unter anderem beide Philosophie studiert, ihre Freundschaft dreht sich also unweigerlich oft um die grossen Fragen des Daseins. Diese ausgewählten Bargespräche, welche tatsächlich stattgefunden haben, sind ein Genuss, führen zuweilen in rauschhafte Zustände wie aber auch zu tiefgründigem Ernst und Ehrlichkeit, wie etwa dann, wenn die beiden Frauen über den Tod und das Sterben sprechen. Dieses Buch ist für mich ein Kleinod, es schlägt eine Brücke von den alten Philosophen bis hin zu neueren und hin zu den beiden Autorinnen, welchen es sehr charmant gelingt, uns zum Philosophieren zu bringen. Der Jahreswechsel ist ja immer ein Moment des Innehaltens, die Zeit in welcher sich sogar Menschen über ihr Leben und das Leben an sich Gedanken machen, die dies eigentlich selten bis nie tun. “Was soll das alles” ist ein Buch für alle neugierigen Menschen und ich bin sicher, jeder hat ein philosophisches Talent, hier wird es beim Lesen gehörig angeschubst! Zudem sind die Literaturhinweise ein herrlicher Schatz, wer es wagt, der kann gleich weiterlesen.

Meine Wertung: 8/10

Vanessa Sonder & Patrizia Hausheer / Was soll das alles
Bargespräche zweier Philosophinnen
Verlag: Arisverlag, Seiten: 136

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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