Werner Niederer / Die Berner Suizidrate

by Manuela Hofstätter on 30. Juni 2017

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Wir befinden und im Jahre 2035, die Autos fahren per Autopilot, die EMU (Europäische Monotheistische Union) hat Erfolg, das Konzept um miteinander zu arbeiten scheint erfolgreich zu sein. In Innertkirchen ist ein junges Mädchen in die Aare gestürzt und zu Tode gekommen, für die Kommission zur Abklärung der Berner Suizidrate gilt es nun, in Innertkirchen Recherche zu betreiben, was eine gewisse Menschenkenntnis, zuweilen auch manipulierende Züge und akribisches Arbeiten voraussetzt. So besucht also ein Kommissionsmitglied die Familie Anderalp. Es fliessen sofort Tränen bei der Mutter, das Ehepaar ist sichtlich am Boden zerstört, Peggy war ihr einziges Kind. Peggy war offenbar eng mit dem Nachbarjungen Bruno befreundet, einzig in der letzten Zeit schien diese Verbindung nicht mehr so innig zu sein. Das Kommissionsmitglied fragt geschickt auch nach der Aufklärungsfrage bei Peggy, denn eine erfolgreiche Initiative der Muslimischen Brüderschaft hat nämlich den Sexualkundeunterricht aus den Schulen verbannt. Peggys Eltern haben die Initiative auch unterstützt, sie sind fest davon überzeugt, das Peggy sich niemals das Leben genommen haben kann und sie sehr glücklich war, die Tiere über alles liebte und mit ihren guten schulischen Leistungen ihren Traumberuf Zoologin oder Ähnlichem zielstrebig entgegen gegangen ist. Weitere Abklärungen bei Peggys Schule ergeben ein immer präziseres Bild des Mädchens, das nicht mehr unter den Lebenden weilt. Tagebucheinträge zeugen von einer Liebes- und Freundschaftsgeschichte, die in einer Dreiecksbeziehung schon gewisse Spannungen in Peggys Leben gebracht haben. Auch die Frage nach Peggy Herkunft dürfe sie beschäftigt haben, denn die Gerüchte, dass sie ein Adoptivkind sei, erweisen sich als wahr und bergen noch weitere happige Tatsachen. Im Jahre 1975: Durch eine Kollision mir einem Schnellzug findet der fünfzigjährige Manfred Botticher seinen Tod im BMW, mit welchem er unterwegs war. Dem Kommissionsmitglied eröffnet sich ein Leben eines Ehemannes, Familienvaters sowie eines politisch aktiven Menschen. Einzig im letzten Urlaub, da sei er schon komisch gewesen, Badeferien ohne Baden, das habe Manfred durchgezogen, sei lieber das Kloster besuchen gegangen und habe täglich verzückt an einem Glas Honig gerochen, welchen er sonst gar nicht mochte. So wird bei diesen Recherchen das Budget ausgereizt und das Kommissionsmitglied reist auf die Insel Hvar und muss tief in die Vergangenheit der Geschichte der Insel eintauchen, um die komplexe Vergangenheit von Manfreds Leben erfassen zu können.

Fazit: Suizid oder Unfall? Eine Annäherung.
Werner Niederer hat eines jener raren Bücher geschrieben, welche man sicher eher selten in den Buchhandlungen findet und welche sicher nicht den ganz breiten Geschmack treffen, aber eben doch sehr viele Leserherzen erfreuen können, da bin ich mir sicher. Mir gefällt seine Idee von einer Schweiz in ein paar Jahren, ebenso wie die Schweiz in meinem Geburtsjahr. Suizide und ungeklärte Todesfälle wird es immer geben und auch das Bemühen, diese zu erklären. Immer noch ist laut Statistik Suizid die häufigere Todesursache vor Unfällen, gerade auch bei Jugendlichen erschreckend hoch in der Schweiz die Zahl der Menschen, die im Affekt handeln und sich das Leben nehmen, welches doch noch fast in seiner Gänze vor ihnen liegen würde. Aber Niederers Buch ist mitnichten ein trauriges, nein, er hat ein Faible für einen feinen Schalk, der uns durch das ganze Buch begleitet. Erfreut lese ich so selten gewordene Wörter wie etwa Nasenlappen, um dann ein paar Seiten später ob der Cleverness des Autoren zu staunen, ob seinem Blick auf die Menschen im Jetzt und in der nahen Zukunft.

Meine Wertung: 7/10

Werner Niederer / Die Berner Suizidrate
Verlag: Grünkreuzverlag, Seiten: 198

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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