Werner Ryser / Das Ketzerweib

by Manuela Hofstätter on 21. Oktober 2016

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Anna Jacob hat es gut getroffen, als sie mit ihrem Ueli verheiratet worden ist, er ist ein starker Bauer und sanfter Ehemann. Auch Jacobs Schwester ist für Anna eine liebe Freundin und Vertraute und lehrt sie auf dem Hof alles, was sie wissen muss, um in ihre Aufgabe hineinzuwachsen. Doch leider stirbt die geliebte Schwägerin früh. Jede Woche geht Anna zur Kirche, ihren Ueli versucht sie immer zu entschuldigen. Anna hat grosse Angst, als sich ihr Mann erneut taufen lässt, sie hat Mühe einerseits mit seiner Art von Glauben und vor allen Dingen Angst um die vielen Kinder, welche sie inzwischen haben. Ueli gehört zu den Täufern, Altevangelische nennen sie sich auch, sie wollen Gottes Wort erforschen und stellen sich gegen die Obrigkeit der Kirche, Ketzer nennt man sie und sie werden zunehmend vehementer gejagt und verurteilt. So nimmt das Unheil seinen Lauf, Ueli wird eingesperrt und schliesslich zu einer Galeerenstrafe verurteilt und verbannt. Anna steht alleine da, aber es gibt Freunde, die ihr helfen, natürlich Freunde ihres Mannes, der Pfarrer Ludwig Moosberger aber treibt ein mieses Spiel mit Anna. Er nutzt seine Macht, erpresst Anna, sie muss ihm gefügig sein, Ekel und Wut machen sich in Anna breit. Wir schreiben das Jahr 1693, als die Häscher Anna dann erwischen und sie im Kerker des Schlosses Trachselwald landet, welches auch Mörderchäschtli genannt wird. Aber Anna will inzwischen von Gott und Obrigkeit nichts mehr wissen, sie schützt die Täufer, schweigt beharrlich. Der Landvogt von Trachselwald, Bartlome May, ist ein schöner doch grausamer Mann, er erscheint Anna wie ein Reptil. Aber die angedrohte Folter und wohl auch die Angst um die Kinder lässt sie das Aussagen, was man von ihr erwartet, eine hohe Geldstrafe muss sie dann begleichen und in die Verbannung gehen. Als sie auf den Hof zurückkommt, spürt sie den Verrat, diejenigen Kinder, die noch zu klein sind, um selber zurechtzukommen, muss sie mit sich nehmen. Im Jura lässt sie sich nieder, dort wird sie auch sterben. Das Emmental hat sie niemals vermisst, unruhige Zeiten hat sie noch erlebt, doch die Menschen, die sie liebte, hat sie im Herzen behalten und auch die Hoffnung auf einen Glauben, der nicht so viel Unheil auf der Welt anrichtet. Friedlich hat sie ihre Augen für immer geschlossen.

Werner Ryser / Das Ketzerweib

Fazit: Mutig und aufrecht, Anna, ein Frauenleben im 17. Jahrhundert
Werner Ryser hat basierend auf Fakten einem Frauenleben im Emmental Leben eingehaucht. Beeindruckend ist es zu lesen, wie die achtfache Mutter ihr Leben gemeistert hat, ihr eigenes Denken und ihren Glauben, das Lesen und das Leben entdeckte. Religion ist heute aktueller denn je ein Grund für viel Unfrieden auf der Welt. Glauben ist noch immer oft von manipulierten Zwängen geleitet, das stimmt mich nachdenklich. Ein wertvoller Roman.

Meine Wertung: 7/10

Werner Ryser / Das Ketzerweib
Verlag: Cosmos, Seiten: 218

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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