Wiebke Kalläne / Apfelgelb

by Manuela Hofstätter on 20. November 2019

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Jarik de Boer wächst als Sohn eines Schweinehirten auf, seine Eltern arbeiten hart, doch er ist nicht der Sohn, welchen sich der Vater gewünscht hat. Jariks Hände sind feingliedrig und nicht kräftig, wie die des Vaters, auch versteht er die Tiere nicht, er hat nur eines im Kopf, das Malen. Sein treuer Freund Sander erkennt das grosse Talent, das in ihm steckt, staunt also später nicht, das Jarik flieht, erkennt dann aber die Not der Eltern und macht sich auf, um seinen Freund in der Stadt zu suchen.
Wir schreiben das Jahr 1657 als Jarik in Delft angekommen ist, sein schlechtes Gewissen lässt ihn die traurigen Augen seiner Mutter nicht vergessen, die ihm stumm nachblickte, als er auszog. Die Stadt ist kein einfacher Ort für Jarik, doch langsam gewöhnt er sich an die kalten Nächte unter freiem Himmel, er überlebt dank der Kohlezeichnungen, die er für wenig Geld verkaufen kann, doch dann hat ihm das Leben einen Engel geschickt. Er wollte kein Geld annehmen, als er das kleine Mädchen mit den strahlend grünen Augen malte, sie hatte sich nicht abwimmeln lassen durch seinen Protest, dass er keine Kinder male, diese kleine Person war äusserst willensstark und sie war, was er noch nicht wusste, die Tochter des bekannten Malers der Stadt, Meister Joannis ver Meer.
So kam es, dass der Meister ihn als Lehrling aufnahm. Weil die Gilde seine Herkunft nicht akzeptiert hätte, gab ihm der Meister schlicht einen neuen Namen und verkündete, Jarik sei ein Waise. Jarik konnte sein Glück nicht fassen, er durfte gar im Atelier schlafen und wurde im herrschaftlichen Haus und der Familie herzlich aufgenommen. Martina, die Tochter des Meisters, nahm ihn nach langen Arbeitstagen im Atelier in Beschlag, er liess sie gern gewähren, denn das starke Mädchen hatte absolut das Talent des Vaters geerbt, doch dieser hatte kein Gehör für die Tochter, so lehrte Jarik Martina, was er nur konnte und erfreute sich an ihrem Talent. Ach was träumte Jarik von dem Zeitpunkt, selber mit Farben malen zu dürfen, doch vorerst war er lediglich fürs Anmischen ebendieser zuständig und er machte seine Sache gut. Doch das Glück währte nicht lange, als die junge Dame Frau Griet von Dijck ins Atelier trat und somit auch ins Herz des armen Jariks. Hoffnungslos entflammten diese beiden jungen Leute füreinander, doch Griet war versprochen, sie liess sich vom Meister Malen, weil ihre Familie ihrem Verlobten dieses Gemälde zur Hochzeit schenken wollte. Das gelbe Kleid, das Griet trug, nannte der Meister goldgelb, Jarik apfelgelb, seine Lieblingsfarbe. Aber nun nahm diese Geschichte einen tragischen Verlauf, welcher hier nicht verraten wird …

Fazit: Die Liebe, die Kunst und ein Geheimnis!
Wiebke Kalläne hat mit diesem sinnlichen, historischen Roman nicht nur die wahre Begebenheit um das Bild des Gemäldes “Die Briefleserin am offenen Fenster” des Malers Vermeers kunstvoll verarbeitet, nein, sie entführt uns gekonnt in die Zeit des Malers und dessen Familie, deren Leben und Lieben und Wirken. Es ist erwiesen, dass das Gemälde “Die Briefleserin” zum Teil übermalt wurde und auch, dass diese Änderung nicht Vermeer zuzuschreiben ist. Die Version, welche die Autorin Kalläne rund um dieses Geheimnis in ihrem Roman “Apfelgelb” nachempfindet, diese ist so erfrischend wie glaubwürdig zugleich. Dieser Roman bringt intensive Farben in den Lesealltag und er leuchtet noch lange nach …

Meine Wertung: 8/10

Wiebke Kalläne / Apfelgelb
die heimliche Liebe des Malers
Verlag: Solibro, Seiten: 176

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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