Willi Näf / Gesegnet sei das Zeitliche

by Manuela Hofstätter on 6. März 2018

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Nik ist Coiffeur aus Berufung und leidenschaftlicher Vater. Tochter Sonja ist Niks Sonne, er ist stolz darauf, dass sie es alleine schaffen, die schöne Mutter Sheryl hat die Enge des Dorfes nicht lange ausgehalten und ist nach Deutschland durchgebrannt. Nik ist ein Menschenfreund, einzig gegen Deutsche hegt er aus naheliegenden Gründen einen Groll. Der Pfarrer im Dorf ist Deutscher, und auch wenn Nik aus beruflichen Gründen am Sonntag in die Kirche geht, traut er dem Geistlichen nicht wirklich, er ist auch nicht gläubig, ob es Gott gibt, stellt er eher infrage. Dann stirbt Nik, er wird auf seiner Treppe gestossen, landet aber in einem Zwischenzustand auf der Erde, eine Stimme redet mit ihm, gibt es Gott vielleicht tatsächlich? Nik ist immer noch in seinem Dorf, aber was er so herausfindet, das lässt ihn nicht zur Ruhe kommen, er vermutet, dass sein Mörder kein geringerer als der geheim gehaltene Freund seiner Tochter ist, ein deutscher Jungspund namens Sascha. Aber weitaus schlimmer noch wiegt die Tatsache, dass offenbar der Dorfpfarrer selbst der Drahtzieher des Mordes ist und bald schon ein weiterer folgt. Nelly ist auch nicht mehr. Nelly, die sehr beleibte Singlefrau mit ihren ebenfalls pfundigen Katzen, war Kundin bei Nik und in diesen verliebt, an seiner Beerdigung weinte sie haltlos und kam durch abstruse Umstände an das Haarteil des begehrten Verstorbenen. Nik verkaufte ja durchaus erfolgreich sein eigens produziertes Birkenhaarwasser und warb mit seinem vollen Haar für dessen Wirkung. Nelly wurde erschossen und auch sie weilt nun eigenartigerweise im selben Zustand wie Nik, Nelly hat ihr Traumäusseres erreicht und ist eine betörende, schlanke Latinabraut, als welche sie nun hofft, Nik endlich zu erobern. Doch Nik kommt einer üblen Verschwörung in seinem Dorf auf die Spur und schliesslich muss er nicht nur um das Leben seiner Tochter fürchten, er bittet Nelly um Hilfe und zum grossen Glück haben die beiden in der Zwischenwelt festgestellt, dass sie einen Draht zu einem Lebenden in ihrem Dorf haben. Walter kann die Verstorbenen hören, aber Walter ist nicht gerade das, was man normal nennen kann, er ist ein kauziger, alter Kerl, der gerade eben noch im Haus seiner Mutter lebt und aber bald nicht mehr tragbar ist in der Gesellschaft. Walter soll ins Altersheim gebracht werden, aber noch ist er da, mit seiner ganz speziellen Art und er hört Nik und Nelly und diese versuchen ihn einzusetzen, um das Schlimmste zu verhindern im Dorf. Kann dies gelingen?

Fazit: Mord, Tod und doch nicht weg vom Fenster!
Willi Näf hat eine Komödie geschrieben, die uns nicht nur augenzwinkernd erfahren lässt, wie das ist an der eigenen Beerdigung teilzunehmen, sondern uns auch mit einer grossen Portion schwarzen Humors verwöhnt. Zugleich stellen wir uns die Frage nach einer Gottesexistenz und deren Geschlechts. In diesem Roman darf gelacht werden, er ist zuweilen böse und doch steckt hinter der ganzen verrückten Story eine gewisse Pietät gegenüber den Menschen und einem Gott, sofern es ihn denn geben sollte. Kein alltäglicher Lesestoff, so mag ich das sehr gerne ab und zu, denn das Leben ist eine viel zu ernste Angelegenheit!

Meine Wertung: 7/10

Willi Näf / Gesegnet sei das Zeitliche
Verlag: Verlag Johannes Petri, Seiten: 295

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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