Yasmina Reza / Babylon

by Manuela Hofstätter on 20. Januar 2018

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Elisabeth und ihr Mann steuern schon in Richtung Ruhestand, ein paar Jahre noch und schon jetzt ist eine Melancholie fühlbar. Eigentlich haben sie nie Gäste, doch nun setzt Elisabeth spontan zu einem Frühlingsfest an, gerät in Aufruhr, denn sie hat nicht genügend Gläser und Sitzgelegenheiten. Siehe da, es kommen sehr viele Leute und sie scheinen sich wohlzufühlen, auch Jean-Lino und Lydie, das ungleiche Paar, welches über ihnen im Haus wohnt. Jean-Lino ist ein stiller Mensch, zurückhaltende Eleganz zeichnet ihn aus, findet Elisabeth und schätzt den feinen Faden einer Freundschaft mit ihm, welche aus ein paar Gesprächen im Treppenhaus basiert. Lydie, sie ist sehr laut, Sängerin und Naturschützerin mit bunten, wallenden Röcken und Schmuck behangen, stets mit einer Mission unterwegs um die Menschen darauf hinzuweisen, wie schlecht es zum Beispiel männlichen Küken auf der Welt ergeht. Es ist spät, als Elisabeth und ihr Mann zu Bett gehen, das Aufräumen haben sie noch sein lassen. Als es mitten in der Nacht an ihrer Türe mehrfach klingelt, sind sie doch sehr erstaunt, als Jean-Lino mit der Botschaft vor ihnen steht, er habe gerade Lydie erwürgt. Groteskerweise sitzen sie nun alle zusammen eine Weile einfach nur da, es wird etwas zu trinken gereicht und endlich begeben sie sich dann alle in die obere Wohnung in der Hoffnung, Lydie möge noch leben. Lydie ist aber tot, Elisabeth und ihr Mann verlassen den Ort der Tat und streiten sich. Lydie wurde erwürgt, weil sie Jean-Lino so richtig zur Schnecke gemacht hat, weil er sich auf dem Frühlingsfest über sie lustig gemacht hat, vor allen Leuten, wegen einer Episode um ein Essen im Restaurant. Doch Elisabeths Mann streitet nicht lange, er ist müde und geht schlicht und einfach schlafen. Elisabeth kann unmöglich einschlafen, sie hat Mitleid mit Jean-Lino, zieht sogar in Erwägung, ihm zu helfen seinen irrwitzigen Plan umzusetzen, welchen er ihnen erläutert hat, Lydies Leichnam in einem Koffer aus dem Haus zu schaffen. Jetzt ist Elisabeth auf dem Weg zu Jean-Lino in die obere Wohnung, was werden sie tun?

Fazit: Ein Mord von brachial bis brutalst zärtlich!
Ich mag diese Autorin einfach, so auch ihren neuen Roman Babylon. Ich habe diesen Mord direkt geniessen können mitsamt der verzweifelten Zärtlichkeit danach. Es ist schön, so unfassbar es klingt, mit Reza zu morden, denn es passiert ja zwischen den Buchdeckeln und danach wird die Sache in Ordnung gebracht, nicht wahr? Nun, diese Frage der Ordnung, die kann jeder für sich selber entscheiden, auch beim Lesen dieses Romans, finde ich. Reza spielt ihre Protagonisten wie auch die Handlung bis in kleine Details durch, aber doch bleibt da viel Raum. Es wohnt allem eine Portion Zärtlichkeit mit bei, so empfinde ich dies jedenfalls und ja, es ist eben auch schräg, böse und bitter ironisch. Ach, ich brauche solche Romane oft und öfters!

Meine Wertung: 8/10

Yasmina Reza / Babylon
Übersetzt aus dem Französischen von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel
Verlag: Piper, Seiten: 224

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