Yoram Kaniuk / 1948

by Manuela Hofstätter on 4. März 2013

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Jung ist er, Yoram, kindlich noch seine Seele, und doch, oder vielleicht gerade darum verlässt er die Schule, um im Alter von siebzehn Jahren in den Krieg zu ziehen. Stolz und Heldenmut im Herzen, erfährt der junge Mann bald die Schrecken des Krieges, die Sinnlosigkeit und Brutalität. Einen Krieg, in den er gezogen ist und welcher zum Ziel hat, einen Staat für die Juden zu gründen. Doch dieser Unabhängigkeitskrieg bringt vorerst eher etwas anderes in Yorams Herz und Verstand, Abhängigkeit der Seele, Not, Hunger, das Hinterfragen der so wichtigen Mission. Was ist ein Staat, was Religion, was ist richtig und was falsch? Yoram wird zur Maschine, er tötet für ein Ziel, welches er nicht gänzlich versteht, oder nur um nicht selber getötet zu werden, der Krieg ist es der ihm die erste nackte Frau zeigt, aber es ist eine grauenvolle Nacktheit. Leichengeruch wird zum Alttag im Leben der Männer, ein Glas Wasser pro Tag bedeutet pures Glück, manchmal singen sie wilde Lieder, auch eine Art von Glück? Von Kugeln getroffen zu werden und überleben, sein eigenes Auge in den Händen zu halten und Schlimmeres, das ist alles eigentlich nichts, aber die Schmach zu erleben, dass andere Juden verachten was sie mutiges Leisten, diese Ablehnung die trifft hart ins Herz, vielleicht weil das Herz weiss, dass es Wahrheit erfahren hat? Ein paar Wochen Krieg, am Ende ein Staat und doch kein Frieden auf lange Sicht, dies wird zum Lebenstrauma Kaniuks!

Fazit: Vom Schrecken eines Krieges.
Ein Buch über das ganz persönliche Kriegserleben des Kindersoldaten Yoram Kaniuk, welcher im hohen Alter endlich schreibt, was sein Lebenstrauma ist. Wir lesen schockiert, fassungslos und doch oft auch ergriffen, gibt es humorvolle Szenen eines Krieges, habe ich mich beim Lesen gefragt und wurde gar wütend auf den Autor, doch ich weiss ich habe keine Ahnung, nur grosse Achtung vor diesen Buch und das Wissen, das Kaniuk voll und ganz Jude ist, aber ganz und gar ohne religiösen Eifer. Ein Mensch, der nun mit der Sehnsucht nach einem Palästina das ruht, lebt und der die strikte Trennung Israels von Staat und Religion wünscht, wie wohl viele andere seiner Landsleute auch. Dies ist ganz und gar kein einfacher Roman, aber wer mit der Geschichte der Juden und Araber, der Staatsgründung Israels und den Konflikten Palästinas endlich einmal durchblicken möchte, dem ist dieses Buch eine gute Hilfe. (Im Anhang Zeittafel: 1882, erste Einwanderungswelle nach Palästina vorwiegend aus Russland und Rumänien bis 2009, Operation “Gegossenes Blei” gegen die Hamas im Gazastreifen und Wahl zur 18. Knesset mit Benjamin Netanjahu als Premierminister).

Meine Wertung: 7/10

Yoram Kaniuk / 1948
Verlag: Aufbau, Seiten: 228

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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