Yusuf Yeşilöz / Die Wunschplatane

by Manuela Hofstätter on 14. Juni 2018

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Plötzlich hat er, der er Schriftsteller ist, eine Anfrage, welche ihn schliesslich, als er sie angenommen hat, in eine kleine Schweizer Stadt führt, um dort an einer Privatschule die Schüler eine Woche lang in kreativem Schreiben zu begleiten. Damit taucht er während sieben Tagen in das Leben und Wirken verschiedenster Personen ein. Als Erstes sucht er in der Stadt einen Kebabladen, wie soll er sonst überleben? Er braucht einen Kebabladen und so unglaublich es auch klingt, diese Stadt hat nur einen einzigen. Als er den Laden hoffnungsvoll aufsucht, trifft er zuerst auf einen Burschen, eindeutig ein Schweizer, doch bald taucht auch der Chef auf, als es ums Bezahlen geht, denn der Bursche darf die Kasse nicht bedienen. Safir, der Chef, freut sich, als er einen Landsmann, einen Bruder antrifft, und fragt ihn sofort, ob er Kurde sei und bald schon streiten sie sich heftig, weil Safir die Bezahlung nicht annehmen will. Safir wird zum festen Bestandteil in dieser Woche, er ist ein beliebter Mann im Ort, auch die Schüler lieben sein Kebab ebenso wie seine offene, fröhliche Art. Ihm, dem neu gefundenen Bruder, stellt Safir auch seine Frau vor und seine Geschichte, es ist eine lange Geschichte, Bruder. Die Geschichte, wie Safir lernen musste, seinen homosexuellen Sohn zu akzeptieren, gar eine Haftstrafe abgesessen hat und zu dem Türken und Menschen wurde, der er nun ist. Im Bed and Breakfast, in welchem er untergebracht ist, ist er unter der Woche der einzige Gast. Regine, die Besitzerin, setzt sich bald zu ihm, auch sie hat viel zu berichten von ihrem Leben, welches sie ihrem behinderten Bruder widmet. Ja und die Schüler, wie sind die? Sie sind ganz verschieden, viele davon schreibfaul, andere voll motiviert, einen Dichter hat es in der Klasse, der zu sehr von sich überzeugt ist, und die Krimischreiberin, die voller Eifer auch zu Hause weiter schreibt und schreibt. Er mag die Schüler und es freut ihn zu hören, dass sie alle auch gerne bei Safir essen und verweilen. Als er die Frage in die Klasse wirft, ob die Schüler eher auf den Vater oder ihr Smartphone verzichten würden, ist die Antwort bestechend ehrlich: Zwölf verzichten lieber auf den Vater, lediglich vier wollen diesen behalten und ein paar wenige sind unentschieden. Auf seine Mutter verzichten allerdings möchte nur einer. Die Woche neigt sich dem Ende zu, die besten Geschichten werden ausgezeichnet und der “Hilfslehrer” staunt erneut, ob das auch eine Geschichte geben wird?

Fazit: Einen guten Schnaps trinken und die Fürze tanzen lassen …
… was im türkischen Brauch nichts weniger heisst, als sich zu vergnügen, nun, ich habe mich allerbestens vergnügt beim Lesen dieses wundervollen Romans dieses famosen Erzählers. Yusuf Yeşilöz schreibt humorvoll, zuweilen sehr ironisch, auch was seine Wurzeln angeht, aber immer mit einer grossen Liebe und Achtsamkeit gegenüber seinen Protagonisten. Ich freue mich auf weitere Romane von Yusuf Yeşilöz! Ein heisser Lesetipp: Mit scharf mit allem und ob Fladenbrot oder nicht, zum sofort lesen und mitnehmen!

Meine Wertung: 8/10

Yusuf Yeşilöz / Die Wunschplatane
Verlag: Limmat, Seiten: 200

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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