Die Literaturpreise und Schreibstipendien des Kantons Bern 2019

Die Literaturpreise und Schreibstipendien des Kantons Bern 2019 sind verliehen, es war ein richtig «heisses» Fest!

Das stimmige Grusswort von Hans Ulrich Glarner macht allen gleich klar, hier wird das Buch, die Literatur, das Schreiben und Lesen gefeiert. Das trotz der schier unerträglichen Hitze so zahlreiche erschienene Publikum zeugt davon, Lesen ist und bleibt etwas vom Schönsten, kann einen Kontrapunkt setzen in unserer hektischen und digitalisierten Welt. Zuerst werden die Schreibstipendien gefeiert, diese gehen an Gornaya, Sarah King, Lorenz Pauli und Herniette Vásárhelyi.

Nun folgen die sieben Lautationes und die Lesungen der ausgezeichneten Autoren und Autorinnen. Rolf Hermann liest als erster und seine Begrüssung in schönstem Walliser Dialekt ist erfrischend und sympathisch. Hermann schliesst seine Lesung gekonnt mit dem letzten Wort; Schnitt. Barbara Schirmer sorgt mit ihrem Hackbrett für die musikalische Umrandung des Abends, ungewöhnlichen wie auch ganz urchigen Klängen lauschen wir da. Li Mollet liest und ihr strahlender Blick winkt ins Publikum, wie vielleicht auch ihre Mikro-Erzählungen. Mirko Beetschen nimmt uns mit auf die Finsteralp, wo sein Roman spielt und mit auf eine Reise ins Ungewisse. Martin Bieri und Ariane von Grafenried bitten um Verzeihung, sie könnten ihr Stück eben nicht wie Schauspieler spielen, liefern aber einen hochamüsanten und gekonnten Einblick in Ihr Stück, das Publikum lacht. Jürg Halter dankt so, wie er schreibt, eigen und auf der Suche nach der Auseinandersetzung, seine trockene Bemerkung, würden diese Preise durch eine Volksabstimmung vergeben, stünde er nicht da, hat es irgendwie schon in sich …

Franz Dodel liest einige Stellen aus seinem Kettengedicht, ein Werk, an welchem er seit Jahren arbeitet, jeden Tag. Paul Wittwer liest eine Stelle aus seinem Kriminalroman, die den Humor darin ebenso aufzeigt wie einen suspekten Protagonisten daraus. Die Schlussworte der Präsidentin der Literaturkommission sind kurz gehalten und schliessen den Bogen zu ihren einleitenden Worten, die Förderung der Frauen in der Literatur ist eine Thematik, die sicherlich intensiv weiterverfolgt wird. Doch nun, nach einem Gruppenfoto und der Blumenübergabe, sind alle eingeladen, am reichhaltigen Apéro im «le Beizli» gemeinsam diesen festlichen und wundervollen Abend noch ausklingen zu lassen. Nicht zu vergessen sei noch die grandios gestaltete Bühne, auf welcher gefeiert werden durfte. Gespräche mit Autoren und Autorinnen wie Gästen und Freunden lassen diese Nacht noch ein wenig länger andauern. Es war eine, wie ich zu sagen pflege, famose Feier!

Persönlich bin ich dankbar, mit meiner Laudatio bestanden zu haben, schliesslich bin ich die «Neue» in der Literaturkommission, doch dieses erste Jahr in diesem Amt war intensiv, schön und bereichernd zugleich und die Zusammenarbeit im Team immer ganz der Literatur verpflichtet und freundschaftlich. Ich durfte auch noch die Laudatio meiner Berufskollegin vortragen, die leider nicht dabei sein konnte und sehr fehlte. Literatur verbindet, es hat mir viel Kraft gegeben im Publikum so viele Freunde zu haben, die mir mit ehrlichen Rückmeldungen und ihrer Anwesenheit ein grosses Geschenk gemacht haben. Allesamt sind wir begeisterte Leserinnen und haben den Abend richtig genossen. Alle Laudationes waren kleine Kunstwerke, ich bewundere meine Kommissionsmitglieder zutiefst. Ganz besonders schön war, Autorinnen und Autoren zu sehen, umarmen zu dürfen oder gar mit ihnen zu «Füsseln», Letzteres mit dem unverwechselbaren Christoph Simon. Die Begegnung mit Paul Wittwer und seiner Freude an meiner Laudatio auf seinen «Bestzeller» werden mir unvergesslich im Herzen bleiben. Paul Wittwer ist ein feinfühliger Gesprächspartner und Autor. Ein wahrlich heisser Abend ist vorbei, doch da ist Neugierde und Freude im Herzen, denn bald schon bekommen wir wieder neue Bücher und starten in die neue Lektürenperiode.