Ausflugstipp für Bücher- und Naturfreunde

by Manuela Hofstätter on 2. Juni 2014

Wir haben unsere Kinder bei den Grosseltern abgegeben, sie werden herrliche Ferientage erleben, und wir fahren voller Erwartungen nach Frankreich, denn der Tierpark Sainte-Croix, welchen wir bereits vier Mal besucht haben, immer mit unseren Kindern und Patenkindern, der wird für zwei Nächte unser Gastgeber sein. Wir erfüllen uns einen Traum und werden im Baumhaus übernachten. Die Anfahrt ist schön ruhig, wir hören Runrig. Unsere Musik, für einmal nicht Globi, Kasperli oder Ritter Rost. Der Maurice-Lemaire-Tunnel ist beeindruckend und stellt eine neue Route dar für uns. Am Mittag sind wir hungrig und machen Halt am Ende des Etang du Stock.

Friedhof in Rhodes, Etang du Stock

Also das Bild zeigt ja nun nicht den See, auch nicht das Mittagessen, der Mann, der da quasi aus dem Grab zu steigen scheint, das ist ja mein Gatte und er hebt soeben den Schatz (Geocaching), welchen wir einfach noch finden mussten. Einen so ungewöhnlichen Fundort wie dieser uralte Friedhof, so etwas ist uns noch nie untergekommen. Aber nichts ist so makaber, dass es unseren Hunger vertreiben könnte, wir finden ein herrliches Lokal am See und essen die besten Pommes Frites aller Zeiten und dann geht es schnurstracks weiter in unseren Tierpark.

Baumhaus "Makis Catta", Parc Animalier de Sainte-Croix

Ja, und dann stehen wir in unserem Baumhaus, das Gefühl ist unbeschreiblich, es ist Liebe auf den ersten Blick. So ein Bioklo ist eine nette Sache, und auch die Dusche hat richtig Charme, allerdings hätte ich nie gedacht, dass ausgerechnet ich, welche ich mich ja mutiges Naturkind nenne, in der Nacht Hilfe brauche, um das Klo aufzusuchen. Also, ich gebe es zu, es war dunkel, das Klo war im ersten Stock des Baumhauses, ich war mir ganz sicher, dass ich von oben aus dem Fenster ein Tier da unten sitzen gesehen hatte. Schön und gut, ich guckte ja ewig lange aus den Fenstern in luftiger Höhe, in der Nacht eben auch und Tiere liebe ich ja grundsätzlich. Aber hier ist die Nacht unglaublich laut, die Frösche quaken, die Wasservögel scheinen auch nicht zu schlafen und die Lemuren können einen Riesenlärm von sich geben, aber das ist alles nichts gegen das Heulen der Wölfe. Dieses Heulen, das ist unbeschreiblich, wehmütig, laut und klagend. Ich fühlte mich also irgendwie auch recht kläglich, als ich meinen Mann darum bat, mich doch die Treppe runter zu begleiten, bloss weil ich mal musste und schon fast vor Angst in die Hose machte. Lassen wir diese unrühmliche Passage, tagsüber ist das Baumhaus herrlich kühl und es bietet den weltbesten Leseplatz, welchen wir je hatten.

Baumhaus "Makis Catta", die Trockentoilette

Baumhaus "Makis Catta", die Dusche

Baumhaus "Makis Catta", Parc Animalier de Sainte-Croix

Baumhaus "Makis Catta", Parc Animalier de Sainte-Croix

Parc Animalier de Sainte-Croix

[audio:https://www.lesefieber.ch/wp-content/uploads/wolfsgeheul.mp3|titles=Wolfsgeheul, Parc Animalier de Sainte-Croix]

Baumhaus "Makis Catta", Parc Animalier de Sainte-Croix

Baumhaus "Makis Catta", Parc Animalier de Sainte-Croix

So haben wir denn auch etliche Stunden auf unserer Terrasse im Baum gesessen und gelesen. Es ist ein erhabenes Gefühl dort oben auf dem Baum, wir haben am Abend und am Morgen den Park für uns alleine, denn wenn alle Parkbesucher gehen müssen, dann geniessen wir das Leben noch viel mehr, natürlich haben wir so auch die Tiere besser gesehen und ich muss ein paar wenige doch zeigen:

Der Luchs, Parc Animalier de Sainte-Croix

Die Bären, Parc Animalier de Sainte-Croix

Wir sind sogar noch aus dem Park herausgekommen, freiwillig, doch uns von dort weglocken, das konnten nur die Bücher schaffen, eine ganze Menge Bücher, genauer gesagt das Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte, en Lorraine, au Pied des Vosges. Ich schreibe dies so genau, damit es jeder finden kann, der es denn finden will. Wir haben es schon einmal aufgesucht, da war es aber recht verschlossen gegenüber uns. Aber jetzt ist Sonntag und wir wissen inzwischen, am Sonntag tanzt der Bücherbär. Nun, tatsächlich begegneten wir sofort und mit Erleichterung den Schildern mit der Aufschrift “Ouvert”. Schon das erste Antiquariat schlug unserer Geldbörse auf den Magen, aber dafür schlug mein Herz schneller und lauter denn je und schliesslich fand ich ein paar wahre Bücherschätze und eine äusserst zuvorkommende Antiquariatsfrau, welche mir sofort den bereits ausgesuchten Bücherstapel abnahm, um mir wie auch meinem mittlerweile leicht panisch dreinblickendem Mann sogleich einen Kaffee in die Hände zu drücken. Diese Dame findet man im “La Forge 54” an der Rue du Paquis im Haus mit der Nummer 10, das muss man wissen, denn da muss man hin, zumal sie auch deutschsprachige Schätze hortet.

Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Es ist heiss an diesem Tag im Bücherdorf und mir ist noch heisser geworden wegen der Bücher und schliesslich haben wir Hunger und Durst. Tja, hier ist aber leider gar nichts zu bekommen ausser einem Büchsengetränk. Das Dorf will ein Restaurant eröffnen, wann genau, das steht aber in den Sternen. So treten wir den Rückzug an und wollen bloss noch die alte Kapelle des Ortes besichtigen und dann so was:

La Chapelle St. Pierre, Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Die haben hier keine Leichen im Keller, die legen die hier gleich vor der Kapelle ab. Wir sind aber so oder so beeindruckt vom Bücherdorf und kehren jetzt doch schnellen Schrittes zum Parkplatz zurück. Wir staunen, denn es war heute wirklich allerhand los im Bücherdorf. Das Chaos auf dem Besucherparkplatz spricht für sich.

Parkplatz, Bücherdorf Fontenoy-la-Joûte

Spass beiseite, es ist sicherlich ein grandioser Ausflug für alle Bücherfreunde dieses Bücherdorf zu besuchen und schliesslich ist es ja doch recht nahe für uns Schweizer, darum hier noch ein paar Informationen:

In ca. 14 zu Buchhandlungen umgebauten lothringischen Bauernhöfen findet man eine unglaubliche Auswahl an antiquarischen Büchern aller Art, in allen Preislagen bis hin zu wahren, raren Bücherschätzen. Das Dorf stammt aus dem 12. Jahrhundert und die heutigen Häuser teils noch aus dem 18. Jahrhundert mit engen Fassaden und in die Tiefe gebaut. Die abgebildete St. Peterkapelle aus dem 13. Jahrhundert steht auf dem Hügel des einen Dorfendes und ist wirklich einen Besuch wert. Sie ist so schön gelegen, dass sich auch ein Dorfbewohner dort zum Mittagsschläfchen hingelegt hat. Er hat sich von uns nicht stören lassen und ist sicher nicht böse über das Foto und unseren Bericht. Das Bücherdorf führt regelmässig Anlässe durch und dann kommen Cars und Busse und viele Leute, aber es wäre schön und sicherlich auch nötig, wenn auch sonst noch mehr Bücherverrückte den Weg in dieses eigenwillige Dörfchen finden würden, sonst geht etwas so besonderes villeicht bald wieder verloren. Es lohnt sich, man sehe meine Schätze:

Die Schätze

Der Sommernachtstraum

Der Sommernachtstraum

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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