Der Freund

by Manuela Hofstätter on 2. Februar 2006

Herbst stand geschrieben, in der Natur und in meinem Herzen, in letzterem tobten die schlimmsten Stürme die die Welt gesehen hat, meine Welt zumindest. Grosse Liebe, ja ja, schöne Worte, gewiss, grandiose Taten, sowieso, du warst so voller Überzeugung, du warst so stark. So glaubte meine Gläubige, kämpfte und riss die Mauern der Andern nieder. Es waren deine Worte, immer und immer wieder, deine Aufforderung, ich solle die Andere bezwingen, mit ihr ringen, nicht zulassen dass sie die Bauten stehen lasse in meinem Herzen. Diese Sicherheitsmauern in meinem Leben, was war daran schlecht? Nun, als ich deine Stimme hörte von fern, sehnte ich sie so herbei, diese Mauern, eingerissen, allesamt, jetzt die Worte, Herbst tritt ein. Du sprachst mir deine Liebe ab, ohne Erklärung, von Heute auf Morgen, die Gläubige brach zusammen, die Andere war froh aber entkräftet, jetzt wo ich sie brauchte!

Also tobten die Stürme und die Andere brauchte viel Kraft, damit sie mit mir gemeinsam wieder an einen Frühling denken mochte. In der Not rief ich einen ehemaligen Geliebten an, was hast du wohl damals gedacht?

Eingeladen hast du mich und ich kam, die Andere war nicht so ganz überzeugt, sie vermutete du könntest die Situation ausnutzen, war sie doch noch so in der Aufbauarbeit mit mir. Es war ein Regentag, so trübe wie ich mich fühlte, doch da standest du und mit bei dir ein Hundewelpe, ich schmolz dahin und knuddelte ihn, dich nicht, die Andere schrie laut Alarm.

Guter Trick schrie sie, das mit dem Welpen! Bei eisigem Wind und Regen stapften wir nun durch die Wälder, nicht auf Wegen, nein, der Nase nach, es gab kein Gespräch, doch ich ordnete meine Gedanken, wurde eins mit Natur Tier und mir. Da, urplötzlich trat ich fast auf ein Rehkitz, regungslos lag es da, bang wurde mir ums Herz, denn ich dachte es sei Tod, der Welpe hatte nicht auf das Tierkind reagiert. Etwas näher trat ich heran, da sprang es auf und davon, alles war gut, es erschien mir wie ein Bildnis, ich konnte auch weiterleben, fröhlich auf und davonlaufen, dem Frühling entgegen. Plötzlich sah ich sogar ein, wie wunderbar es ist, keine Mauern mehr zu haben, dieses freie Empfinden war wie eine Geburt, so kann ich sogar dem verflossenen Geliebten dankbar sein, denn durch ihn bin ich freier geworden. Wichtig ist nur die Balance zwischen meiner Gläubigen und der Anderen. Welch Geschenk ist uns doch die Natur, und welch Geschenk die Freundschaft. Die Freundschaft überwindet alle üblen Dinge die da auch mal waren. Abends wurde ich von dir fein eingeladen zum Italiener, die Andere war wohl, konnte dies aber noch nicht so ganz zugeben und flüsterte mir ein. Aufpassen solle ich, jetzt werdest du zuschlagen, nach Wein und Essen werden die Frauen doch gerne weich.

Ich schlief bei dir, im Bett, denn dieses wolltest du mir überlassen, du hast auf dem Sofa genächtigt. Am nächsten Tag sagte ich adieu zu dir, alles war gut und mir war leicht zumute.

Die Andere war still und sanft, sie hat Unrecht behalten, doch das freut sie ungemein, sie die da heisst die Vernünftige. Wir haben nicht mehr viel Kontakt, du und ich, es macht auch nichts, doch lass dir gesagt sein, hab Dank, Dank für deine Freundschaft und Danke an alle Freunde überall. Wenn ich einmal für dich da sein kann, wird es mir eine Freude sein, dies zu tun. In einem ist sich mein Trio, die Vernünftige, die Gläubige und das Ich, absolut einig, die Freundschaft ist das schönste Geschenk zwischen den Menschen!

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